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Selbstporträt mit Skelett | Lovis Corinth

Ein sehr auffälliges Selbstporträt ist das „Selbstporträt mit Skelett“ von Lovis Corinth, eins auch, welches auf einige spätere Maler Einfluss ausübte. Kontraste sorgen ja immer wieder als Stilmittel für erhöhte Aufmerksamkeit, so eben auch eine Selbstdarstellung mit einem Skelett. Ein wenig wird man damit auch an seine eigene Schulzeit erinnert, als die Skelette in den Biologieräumen allgemein für Aufsehen sorgten. Vielleicht entsteht dieser eher wissenschaftliche Eindruck nicht zuletzt durch die für einen Künstler eher untypische Malerkleidung und den Gesichtsausdruck, der abwartend oder auch forschend gedeutet werden kann. Sich selbst hat er, der Maler Corinth, in diesem Porträt recht schonungslos und unverklärt dargestellt. Dass er früher auch schon den Wunsch hegte, Landwirt, Matrose oder Soldat zu werden, bevor die Muse ihn zum Maler werden ließ, das kommt schon zum Vorschein bei diesem Bild. Gerade 38 Jahre ist er alt, als der das Bild malt, zu jung um an eine sakrale Phase zu denken, oder doch nicht? Der Tod als Zeichen, dass das Leben endlich ist, ist ja vielen Künstlern ein ständiges Motiv gewesen. Gleichzeitig ist das Skelett als Anschauungsmaterial für einen Künstler, einen Maler, der hauptsächlich im figürlichen Bereich arbeitet, natürlich unverzichtbar. Jedenfalls wirkt das Bild trotz oder vielleicht wegen des Skeletts unwahrscheinlich lebendig und intensiv. Hut!

Lovis-Corinth

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Oskar Zwintscher | Selbstbildnis um 1913

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„Selbstbildnis“ (um 1913 o.ä.) – wiki-pd

Sehr alt ist er nicht geworden der großartige Zeichner und Maler Oskar Zwintscher ( 1870 – 1916), gerade einmal 45 Jahre wurde er. Sein Grab ziert ein zartgliedriger Ephebe, gestaltet von Sascha Schneider, mit welchem er auch in tiefer Freundschaft verbunden war . Zwintschers Muse war vor allem das handwerkliche Können, welches auch aus diesem Selbstporträt auf den Betrachter überstrahlt. Sehr intensiv schaut er aus dem Bild, der Blick fixierend und nicht leicht deutbar. Versponnen und geschäftsfremd wäre er gewesen , meinten manche seiner Zeitgenossen aber auch ein herausragender Könner, der ganz in der Tradition eines Cranach oder Hohlbein oder eines  Ludwig Richter stand. Zur Geschäftsfremdheit muss ich anmerken, dass es nicht eines Künstlers Sache ist, seine Kunst zu vermarkten. Kunst ist nun einmal keine Ware, die man auf dem Wochenmarkt zur Schau trägt. Aber zum Selbstbildnis zurück, welches hier auffällt durch die bereits beschriebene Intensität und mit  einer Exaktheit der Linienführung an Gesicht und Händen, die auf ein  feinsinniges Wesen schließen lassen. Das Bildnis besagt vor allem auch, dass Zwintscher ein gewissenhafter und exakter Zeichner war, der wusste, wie eine Proportion und  wie eine bestimmte Körperhaltung aussehen müssen, wenn sie naturalistisch dargestellt werden. Zwintscher unterrichtete ab 1903  als Professor an der Dresdner Kunstakademie. Das Selbstbildnis stammt vermutlich aus dem Jahr 1913.

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Ferdinand Hodler | Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen

Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen Ferdinand Hodler - 1912 (wiki-pd)

Geboren wurde er 1853, im selben Jahr wie Vincent van Gogh, er der Maler Hodler, der Maler Ferdinand Hodler. Und, wie auch van Gogh, war er Autodidakt. Schwer hatte er es in seiner Jugend und dennoch war der Drang zu malen, zu zeichnen so groß, dass er sich letztlich durchsetzte und es noch zu Lebzeiten zu einem in der Kunstwelt anerkannten Maler brachte. Aber das steht ja alles in der Biografie Hodlers und ist hier nicht Gegenstand. Unser heutiges Portrait zeigt den Maler im Selbstbildnis in seinem 60. Lebensjahr. Erstaunlich fordernd, nahezu zwingend hält der Blick, halten die weit aufgerissenen Augen den Betrachter im Bann. Gekonnt magisch in Szene gesetzt hat er, der Maler in diesem Bild sich, den Maler, den Maler Ferdinand Hodler. Und sehr plastisch, sehr strukturell herausgearbeitet hat er sein Gesicht, welches farblich im verwandschaftlichen Einklang steht mit dem Bildhintergrund, dem Stehkragen und dem Revers des Anzuges. Das Entstehungsjahr des Bildes ist auch das Jahr, in welchem die größte Liebe seines Lebens Valentine Godé-Darel an Krebs erkrankt.  Die weit aufgerissenen Augen spiegeln viell. das Entsetzen über diese Diagnose, wenn auch unbewusst, wieder? In jedem Fall ein einzigartiges Porträt mit großer Wirkungskraft von einem außergewöhnlichen Maler.

Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen Ferdinand Hodler - 1912 (wiki-pd)
„Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen III“ von Ferdinand Hodler – 1912 (wiki-pd)
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Hyacinthe Rigaud | Selbstporträt

Samtig und weich umrahmt die hellrote Kappe das Haupt des jungen Malers Hyacinthe Rigaud. Der Umhang fällt weich und fließend um die Schultern. Alles wirkt zart und freundlich erhaben. Die Pinsel hält er in der Hand, denn er ist ja Maler und das soll man auch sehen auf dem Porträt! Sein Lehrer riet ihm, nach ersten durchschlagenden Erfolgen, sich ganz der Porträtmalerei zu widmen . Das Bild, ein recht typisches Gemälde der damaligen Zeit ist, wie könnte es perfekt ausgeführt in Technik und Komposition. Der Kopf ganz im oberen Bereich des Bildes. Der Blick direkt zum Betrachter gewandt. Warme Farben betonen die gefälligen Linien des Gesichtes, dessen leuchtender Teint durch  den goldenen Kragen noch verstärkt wird. Eine innere Zufriedenheit strahlt zum Betrachter herüber. Später, auf der Höhe seines Ruhmes, das war um 1701, als er den König Ludwigs XIV im Paradebildnis darstellte, da hat er dann nurmehr das Wichtige am Bild selbst gestaltet. Für die Hintergründe und Details beauftragte er Maler, die in seinem Atelier arbeiteten. Die Bilder aus dieser Zeit besaßen dann auch nur noch wenige eigene Pinselstriche Rigauds. Aber was soll´s, dieses , sein Selbst hat er noch selbst gemalt.

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Paul Gauguin | Selbstportrait

Eine wahrlich schlichte Größe hat das Bild. Gerade mal 45 x 38 cm ist es groß und zeigt den Maler in seinem mittleren Lebensalter mit 45 Jahren. Streng und etwas verschlossen erscheint uns der Paul Gauguin auf diesem Bild. Der Blick ist gesenkt, der Mund geschlossen. Kein angedeutetes Zwiegespräch mit dem Betrachter. Offenbar ist er stark konzentriert auf die Entstehung des Selbstbildnisses. Betont hat er seine Züge mit strenger Linienführung. Farbflächen sind sparsam aber akzentuiert gesetzt. Gelb, Grün und Ockertöne, fein ebgestimmt mit einem Hauch Orange, der dem Gesicht die Lebensfarbe einsprüht. Übrig bleiben männlich markante Züge, eine gewisse Strenge oder Erhabenheit, ein wenig Freiheitsliebe leuchtet hervor, erkennbar an dem keck nach hinten geschobenen Hut. Alles in allem ein gelungenes Selbstportrait.

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„Selbstporträt“ von Paul Gauguin (1893) (Bildquelle.: ©wikipedia – public domain)