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Rembrandt | Die Nachtwache

Die Nachtwache (1642) - Bildquelle: wiki:pd

Die Nachtwache von Rembrandt…

…gilt als das drittbekannteste Gemälde der Welt. Viele sehen in dem Werk vor allem eine ironische Darstellung der damaligen Bürgerwehr um den Hauptmann Frans Banning Cocq. Der britische Regisseur Peter Greenaway, der 2006 zum 400. Jahrestag Rembrandts einen Film über die „Nachtwache“ drehte, sieht im Bild gar einen verdeckten Mord >>>. Dagegen muss ich einwenden, dass ich, selbst bei genauester Betrachtung aller Details, nichts anderes erkennen kann als einen relativ vergnügten Haufen Männer mit einer Frau in der Mitte. Die Kompanie macht sich gerade soweit startklar, unschwer zu erkennen an der sich ordnenen Aufstellung. Diese Dynamik im Bild ist richtig gut gelungen und kommt klar zum Ausdruck.

Unabhängig von der Historie des Bildes, seiner Entstehung und seines späteren Schicksals (Das Werk wurde nicht nur beschnitten, um es passen zu machen, sondern im 19 Jhd. auch dreimal schwer beschädigt), wollen wir es uns einmal rein vom malerischen Standpunkt aus betrachten, denn genau dort geht die Schwierigkeit schon los! Dass, wie so oft in Rembrandts Werken, seine eigene Person von ihm im Hintergrund dargestellt wurde, ist ebenso sekundär wie der Umstand, dass, wie könnte es anders sein, die weibliche Person ausschaut wie seine Saskia. Viel augenscheinlicher ist doch, dass in dem Bild eigentlich gar nichts stimmt. Wer nicht weiß, dass dies das Bild eines der berühmtesten und bedeutendsten niederländischen Maler des Barock ist, den schaudert´s in Anbetracht der mangelhaften malerischen Ausführung.

Wo Licht ist, ist auch Schatten…

…ein Ausspruch, der bei diesem Gemälde eine doppelte Bedeutung gewinnt. Die Schatten fallen völlig falsch bzw. ist absolut unklar von wo die Lichtquelle denn nun eigentlich kommt? Vielleicht sind es ja auch viele Lichtquellen, die von überall kommen. Überhaupt steht die malerische Ausführung in starkem Kontrast zu Rembrandts sonstigen, meisterlich ausgeführten Werken, besonders seinen Porträts. Hat das Ganze gar , ähnlich wie bei Goya´s  „Familie Karls IV.“, eine groteske Bedeutung?

Wollte Rembrandt diese Bürgerwehr bewusst ins Lächerliche ziehen mit seiner Darstellung? Viele erhobene Hände im Bild deuten die Gewichtigkeit an, mit der sich die Truppe selbst wohl am Liebsten sieht. Und: War Willem van Ruytenburgh, der neben dem Hauptmann steht, wirklich so klein ? Auch die Frau im hellen Gewand, das Maskottchen der Kompanie, erscheint hier wie eine Miniatur. Dies fällt vor allem dann auf, wenn man sie ins Verhältnis zu den hinter ihr sich befindlichen Personen setzt. Hier bleiben zweifellos viele Fragen offen.

Es bleibt festzustellen, dass die lockere Aufteilung aller im Bild „Die Nachtwache“ beteiligten Figuren allein schon bahnbrechend ist für Soldatendarstellungen der damaligen Zeit. Rembrandt geht hier den wichtigen Schritt voran und erfindet sich in diesem Bild als Maler eben auch neu.

Die Nachtwache (1642) - Bildquelle: wiki:pd
Die Nachtwache (1642) – Bildquelle: wiki:pd

 

 

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Gemäldegalerie Dresden | Eindrücke Februar 2015

Die Kunststadt Dresden als Hüter des Schatzes

Die Gemäldegalerie Dresden ! Ein Februar Resümee. Es ist, denke ich, nicht zu polemisch wenn ich als Betrachter mal ganz einfach und schlicht sage: Ja, ich bin beeindruckt! Ja ich bin es immer wieder auf´s Neue ! Und: Ja, ich bin immer wieder hin und weg von Dresdens Glanz und Dresdens Gloria ! Und dann die Alten Meister !!  WOW!!!  Und nicht nur die ! Klar ist: vertraut erscheinen die Bilder uns, dem interessierten Rezipienten, von so vielen Reproduktionen auf Karten, Postern und dem www. ABER erst so richtig nah, so ganz ins Innere gehen Selbige dann im direkten Vis á Vis.

Die Gemäldegalerie Dresden  im Zwinger – gigantische Schätze aus der Vergangenheit

Man sagt sich beim Hineingehen. „Jetzt bloß nicht überschwenglich werden“, jedoch schon nach den ersten Metern in der Gemäldegalerie Dresden wird klar, dass es das Größte ist, den Werken von Rembrandt (immer wieder seine Saskia – wie könnte es auch anders sein :)), der „Briefleserin am Fenster“  von Vermeer (1659) oder Raffaels „Sixtinischer Madonna“ so nah gegenüber zu stehen.

Brueghel, Canaletto, Cranach, Dürer, El Greco, Holbein, Raffael, Rembrandt, Tizian, Velásquez, Vermeer und die anderen

In Ehrfurcht erstarrt man, ob man will oder nicht – nicht zuletzt angesichts der gewaltigen Kunstsammlung überhaupt, die sich da auftut, die einen überwältigt und berauscht. In Anbetracht der gesamten Fülle des Dresdner Kunstschatzes, die sich in der Gemäldegalerie dem feinsinnigen Kunstbetrachter und etablierten Kunstkenner gleichermaßen offenbart wie dem Laien und dem  offenen kulturinteressierten Bürger aus nah und fern ist man fast so richtig versöhnlich gestimmt und einig mit sich und seiner Kunstwelt.

Neues und Vertrautes

Das „Porträt von Gaspar de Guzman“ des genialen Spaniers Diego Velásquez hängt in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Selbstbildnis Rembramdts. Was will man eigentlich mehr??? Das ist das Vertraute und es gibt auch so richtige Entdeckungen, dies sind vor allem Bildwerke, an welchen man vielleicht schon zig mal vorbei lief, die aber dann umso mehr auffallen, wenn der Blick in Ruhe darauf liegt.

Hans Holbein und Willem Claesz Heda

Neben den beeindruckenden und auch intensiven Porträts von Hans Holbein – hier zu nennen wäre besonders das “ Doppelportrait von Sir Thomas Godsalve und seinem Sohn John“ aus dem Jahre 1528, findet der wissensdurstige Kunstfreak auch so richtige Besonderheiten wie das eigenartige Stilleben „Ein Frühstück mit einer Brombeerpastete“ des recht wenig rezipierten niederländischen Malers Willem Claesz Heda von 1631. da fehlen eigentlich nur noch da Vinci, Caravaggio, Frans Hals, Goya und van Gogh 🙂

Scherz beiseite – Schaut´s euch einfach selbst an. Die Gemäldegalerie und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden freuen sich auf ihre Besucher aus nah und FERN!
gemäldegalerie dresden
„Die Sixtinische Madonna“ von Raffaelo Santi (1513-1514) Bildquelle – wiki pd

 

 

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Hals und Rembrandt | eine Gegenüberstellung

niederlaendische-portraitmalerei-rembrandt-van-rijn-und-frans-hals

Max Liebermann sagte einmal angesichts des Rembrandt Bildes „Nachtwache“: Wenn man Frans Hals sieht, bekommt man Lust zu malen. Wenn man Rembrandt sieht, möchte man aufhören. Nicht nur Liebermann mag es das ein oder andere Mal bei der Betrachtung von Rembrandts Werken so ergangen sein. Warum ist das so, weshalb entsteht ein solcher Eindruck? Gut, die Nachtwache ist ein Bild, das einem hinsichtlich der Ausführung schon zu denken geben kann. Ein wenig deplatziert wirkt die Dame im linken vorderen Bereich, aber egal. Habe die „Nachtwache“ auch  hier nochmal eingefügt. Aber Rembrandt konnte auch anders ! Die Gegenüberstellung von Hals und Rembrandt soll auch weniger einen Kontrast aufzeigen, sondern vielmehr eventuelle Gemeinsamkeiten der Porträtmalerei beider Künstler der  niederländischen Schule.

Nachtwache

Ausgewählt für die Betrachtung wurde jeweils 1 Porträt der beiden Maler. Bei der Auswahl wurde zudem auf eine ähnliche Mimik der Porträtierten geachtet. Es sind beides Männer mittleren Alters. Beide Männer lachen. Beide Männer haben einen Bart.

Eine sehr auffällige Unterscheidung im Stil der beiden Maler ist jene, dass die Porträts von Hals sehr viel mehr zeichnerisch angelegt sind, eher wie flüchtige Skizzen, während die von Rembrandt ein Gros an malerischer Intensität haben. Rembrandts Malerei ist modern, wie „a la prima “ gemalt und auch sehr schwungvoll. Liebermanns Ausspruch  beruht vielleicht zum Teil auf seiner Verehrung gegenüber Frans Hals, der nicht umsonst zu den bedeutendsten Porträtmalern der Niederlande zählt. Seine Porträts sind – wenn man so sagen will – in der Ausführung fehlerfrei. Ohren, Hände, Münder , Nasen und Haare, die hohen Künste der Portraitmalerei, all diese sitzen bei Hals perfekt. Ein großer Maler, ein noch größerer Porträtmaler.

Rembrandts Soldat ist sehr schwungvoll im malerischen Duktus, das Lachen ist ansteckend. Außerdem ist der Mund geöffnet, so dass der Portraitierte durch dieses Mittel direkt zum Betrachter spricht, ihn anlacht oder ihn mit seinem Lachen ansteckt. Gerade in diesem eher untypischen Gemälde Rembrandts zeigt sich dessen Stärke der Spontanität, die ansteckt. Viele andere seiner Porträts zeigen   ernste Gesichter. Bei Frans Hals ist das anders. Fast alle seiner porträtierten Personen lachen, teils herzlich, teils versteckt so wie Verdonk im angehängten Beispiel. Verdonck´s Lachen zeigt sich besonders durch das Leuchten der Augen.

Es kann festgehalten werden, dass in diesen beiden Porträts erkennbar wird, was die niederländische Malerei so besonders macht.

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Rembrandt |Selbstporträt

Rembrandt-Selbstportrait-Radierung
Selbstporträt Rembramdt – Radierung von 1630 – (Quelle. wiki – public domain)

Eine bemerkenswerte Radierung aus der uns ein staunender Rembrandt im Alter von 24 Jahren unmittelbar ins Gesicht schaut. Die hohe Lebendigkeit der Linien erinnert auch an einen Grafiker, der 2 Jahrhunderte später lebte und wirkte: Goya! Wild sind sie, die vielen Striche, die wie mit spielerischer Leichtigkeit gezogen so untrennbar zusammengehören wie die Dinge der Welt. Das ist Kunst, hohe Kunst, die leicht ist und tief und doch verspielt erscheint. Ein Porträt, welches zugleich fröhlich und nachdenklich macht. Der intensive Blick des Künstlers auf diesem Selbstporträt lässt die  Kraft der kommenden Schaffensjahre schon überdeutlich hervortreten. In unserer Reihe der vorgestellten Kunstwerke zum Thema Porträt wird auch dieser Rembrandt eine Stelle einnehmen.