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Pieter Bruegel | Der Misantroph

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Er wendet sich ab

Er wendet sich ab, der Misantroph, der Menschenfeind, den Pieter Bruegel d.Ä. da so  nahezu mittig in Szene setzt. Offenbar   spürt er nicht einmal, dass ihm jemand an den Beutel will, an sein Hab und Gut .Und selbst wenn, so ist es ihm offensichtlich einerlei, denn er wendet sich ab. Weg vom Geschehen, weg von dem Trubel. Alles ist ihm sehr lästig, alles zu viel und zu laut. Geschützt mit seiner Kutte, der Kapuze, das Gesicht mit dem langen Kinn bedeckt vom langen Spitzbart. Warum nur ist der kleine Dieb in der kleinen runden Kuppel, welche mit einem Kreuz verziert ist, so gar nicht verdeckt, sonder stiehl so geradezu? Die Symbolik zur Kirche ist da sehr stark, ja die durften das damals, die durften es nehmen, ohne sich zu verdecken.

Gefertigt um 1568 mit Tempera auf Leinwand

Gemalt hat er, der Bruegel, dieses Werk im Jahre 1568. Es misst 86 x 85 ca, ist somit nahezu quadratisch, Bedächtig schreitet er aus, links ein sich biegender, unten am Stamm ausgehöhlter, Baum. Marode ist es alles, die Welt sehr löchrig auch. da bleibt ja nur mehr übrig, die Mundwinkel noch ein gutes Stück tiefer zu ziehen. Dennoch fühlt er, der Misantroph, sich als der Gerechte und ewig Wissende, faltet er doch seine Hände wie im stummen Gebet.  Auch die Inschrift beachtlich, sie macht das Bild doch recht illustrativ.

Om dat de Werelt ist soe ongetru / daer om gha ic in Den ru

Ich gehe in Trauer, weil die Welt perfide ist“ Der Spruch erinnert sehr markant auch an eine Aussage Michelangelos: „Der Mensch soll nicht lachen, wenn die ganze Welt in Tränen ist“. Für meine Betrachtung muss ein Misantroph nicht nur ein eingefleischter Menschenhasser sein, vielmehr ist der Übergang zu einem die Einsamkeit und Askese vorziehenden, zurückgezogen lebenden Menschen zu einem, der dann letztlich jegliche menschliche Nähe scheut, mitunter recht fließend.

Der Misantroph und die vorgegaukelte Einsamkeit

Am auffälligsten ist der Umstand, dass Bruegel seinen Menschenfeind in eine so gar nicht menschenleere Umgebung platziert. Zwar ließen Wald, Weg und Feld  für sich genommen darauf schließen, wären da nicht noch der Beutelabschneider und der Hirte. Diese Platzierung kann nur bedeuten, dass das „Menschenscheuen“ nicht so ganz so funktionieren scheint.

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Bildquelle: wiki-pd
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Pieter Bruegel | Maler und Käufer

Nicht viel hat sich geändert in der Beziehung zwischen „Maler und Käufer“ oder „Künstler und Kenner“, wie der Name der Zeichnung mit alternativem Titel auch lautet. Pieter Bruegel der Ältere, Maler der niederländischen Renaissance, der sich zudem vermutlich selbst im Bilde darstellte, zeigt anhand der mit brauner Tusche und Feder gefertigten Zeichnung  aus dem Jahre um 1565 sehr treffend, was Sache ist und auch damals schon war. Bekannt wurde Bruegel vor allem mit seinen Darstellungen des bäuerlichen Lebens in Flandern. Im Gegensatz zu seinen Söhnen Jan Bruegel und Pieter Bruegel dem Jüngeren, gehörten zu seinen Themen auch die Darstellungen der menschlichen Laster oder christliche Motive, wie die Kreuztragung Christi. Die Zeichnung Maler und Käufer zeigt im Porträt-Duo den Maler  (rechts im Bild) und den potentiellen Käufer bzw. Interessenten. Letzterer lächelt und schaut schon sehr interessiert. Der Maler hingegen richtet sein Augenmerk eindringlich und auch ein wenig kritisch auf  sein Werk. Nachdenklich wirkt er, sein Bild scheint noch nicht fertig zu sein. Bruegel experimentiert hier zusätzlich mit einem Anschnitt, das heißt, er zeigt den Kunden nur halb und auch bei der Figur des Künstlers  selbst  verzichtet er auf die Darstellung der Hand und des betrachteten Kunstwerkes. der Blick des Kunden ist keineswegs einfältig, der Gesichtsausdruck lässt auf einen Kunstkenner schließen, der das Schaffen des Malers vielleicht auch schon länger wohlwollend beobachtet. Genießen wir eine gekonnte Federzeichnung mit mittelalterlichem Flair, die zwei Menschen zeugt, wie sie auch heute noch in der Künstlerszene oftmals anzutreffen sind.

wiki-pd