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Der Maler Franz Frank – Renée

Prenzlmaler Dieter Raedel : Porträt meines Freundes Franz Frank – Renée. Der Berliner Maler und Grafiker wohnte in der Wisbyer Straße am Prenzlauer Berg in Berlin. Besonders beeindruckten mich seine impressionistischen Pariser Gemälde, die er als Schlussakkord vor seiner todbringenden Krankheit schuf. Er war zudem ein großer Kunsttheoretiker und wird mir stets in ehrender Erinnerung bleiben. Zeitweise war er an der Akademie der Künste tätig, wo er sich mit der anatomischen Zeichnung befasste.

Portrait Franz Frank-Renée, DIN A 3, Feder, chin. Tusche, Lavierung mit Bister.

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Kein Geld, aber einen süßen Kuss für die Kunst !

Konzentriert sitze ich auf meinem Klappstuhl und zeichne. Neben mir ein kleiner runder Tisch, dessen Tischfläche auf dem Bürgersteig ruht. Ich drehte ihn einfach rum, damit er einen sicheren Halt besitzt und benutze die kleinere Fläche als Tableau meiner Zeichenutensilien. Das mache ich seit Jahren so. Oben steht ein Keramikbecher, der eine Ähnlichkeit mit einem Eierbecher nicht verleugnen kann, knapp mit chinesischer Tusche
gefüllt. Daneben ein gläsernes Tintengläschen mit Wasser, um stets die Feder reinigen zu können. Beide Gefäße sind mit Malerband am Tisch fixiert, um ein Herabfallen zu verhindern. Wir schreiben Oktober 2007.

Unweit von mir die Open-Air-Galerie an der Gethsemanekirche, die sich am Kirchenzaun die Stargarder Straße entlang zeigt und ein Teil der Bilder in der Greifenhagener Straße, hier aber nur 15 Meter. Christus schaut mir bei der Arbeit zu. Es ist die Christusstatue vor der Kirche. Eine Zeichenunterlage aus Presspappe, worauf sich der Malkarton befindet, liegt auf meinem Oberschenkel. Der Wind kann der Zeichnung nichts anhaben, alle vier Ecken sind gesichert. Unter der Zeichenunterlage eine weitere Pappe, die die Zeichnung abdecken kann, falls jemand von mir etwas möchte und ich meinen Zeichenplatz verlassen muss.

Beim Zeichnen ist man in einer anderen Welt. Die Geräusche von den Autos oder die Passanten der Straße nimmt man kaum noch wahr. Strich um Strich entwickelt sich das Motiv innerhalb des schöpferischen Prozesses. Selten bleiben Fußgänger stehn, um meine Arbeit zu betrachten. Das wäre ja offene Anerkennung und die gilt’s zu vermeiden. Ganz anders die Kinder, die sehr gern mir auf die Finger schaun und mit Lob nicht sparen. Auch
sie zeichnen gern und haben in mir jemanden gefunden, der das auch macht. Obwohl im fortgeschrittenen Alter, geht alles ohne Brille und mit ruhiger Hand vorwärts, in der Hoffnung, dass es noch ein bisschen so bleibt. Aber es gibt auch Ausnahmen, wo man offen gehuldigt wird.

Zart wurde ich von hinten berührt und danach sah ich nichts mehr. Ein weiblicher Busen drückte sanft gegen meinen Hals und längere Zeit spürte ich die weichen Lippen einer Frau auf meinem Mund. Meine Hände hielten das Malzeug. Ich regte mich nicht und ließ es liebevoll über mich ergehn. Nach einiger Zeit ließ sie von mir ab, ging in die Hocke und überreichte mir frische Blüten. Jetzt konnte ich ihr in die Augen blicken: eine bildhübsche junge Afrikanerin.
„Ich hole dir noch ein Schälchen mit Wasser, damit die Blumen nicht verwelken.“
Nach einer Weile kam sie mit einem Pappbecher voll Wasser, stellte die Blumen rein und gab mir ein Abschiedsküsschen. Was sie zu mir noch sagte, möchte ich verschweigen. Auch Worte können ein Schatz sein, den man für sich behält. Lange Zeit standen die Blumen neben meinem PC.
Martin, der mit seiner Frau die Kirche offen hielt, konnte die Szene vom oberen Portal beobachten und fragte mich: „War die besoffen ?“
„Nein, sie roch nicht nach Alkohol, ihr Atem war sauber.“
„In diesem Fall möchte ich auch Maler sein.“
Ich schmunzelte und ging verzaubert an mein Tischchen, um zu zeichnen. Doch im Stillen sagte ich: „Aber wenn es um’s Geldverdienen geht, möchte keiner mit mir tauschen !!!“

LG Dieter Raedel

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Albrecht Altdorfer | Alexanderschlacht

Know-how. Science of Art. Dieter Raedel. Bildbeschreibung.

DIE ALEXANDERSCHLACHT 1528 / 29

Albrecht Altdorfer

geboren um 1480 wahrscheinlich in Regensburg
gestorben am 12. 2. 1538 in Regensburg

deutscher Maler – Hauptmeister der Donauschule zwischen Gotik und Renaissance

„Die Alexanderschlacht“ in der alten Pinakothek in München, gehörte zu einer hochformatigen Folge von Tafelbildern, auf denen historische Taten berühmter Helden dargestellt wurden. Den Auftrag für diese Gemälde gab der bayerische König Wilhelm der IV. Mehrere süddeutsche Meister wurden angestellt, darunter auch Hans Burgkmair und Bartel Beham. Albrecht Altdorfer übertraf sie alle; und der Meister war sich seiner Sache so bewusst, so dass er das Werk gleich zweimal signierte. Das Bild wurde auf eine Lindenholztafel gemalt.

Leider wurde das Werk an den Seiten und oben gestutzt, um es aller Wahrscheinlichleit für die Aufhängung passend zu machen. Somit ist man nicht mehr in der Lage, die gesamt – kompositorische Anlage in ihrer Harmonie erleben zu können. Es handelt sich also um ein verstümmeltes Werk. Somit bleibt uns die ursprüngliche Größe des Bildes unbekannt. Man darf davon ausgehen, dass die Vertikalachse des Bildes durch die Mitte der Zeittafel ging. Die aufgemalte Schrifttafel war ebenfalls größer und es ist deutlich zu erkennen, dass diese über den oberen Bildrand hinausging. Die Tafel war vorher in deutscher Schrift angelegt und wurde nach der Übermalung mit einem kürzeren lateinischen Text versehen. Die Bildtafel stößt nun fast an den oberen Rand an. Dadurch ergibt sich eine völlig falsche Wahrnehmung der künstlerischen Ausstrahlung. Die Übermalung fand mit blauschwarzer Farbe statt. Die Tafel kann jedoch von der ursprünglichen Größe eingeschaätzt werden, da man davon ausgehen kann, dass die Ringe mit den flatternden Tüchern sich genau in der Mitte befanden. Die Raumaufteilung wirkt nun unstimmig und auch der Mond mit seiner Korona kann sich nicht mehr entfalten. Am linken Bildrand überschneiden sich ohne jeden Sinn einige Figuren an einer viel zu schmalen Felswand. Der brillant gestaltete Sonnenuntergang ist ein Spiegelbild des Sieges. Ebenso spiegelt die gestaltete Wolkenformation die Charakteristik der Schlacht wider. Das seitlich Abgeschnittene zerstört die ursprünglich harmonische Wirkung.

Auf dem Bild sieht man eine großangelegte Weltlandschaft, die besonders eindrucksvoll aus großer Höhe, wie von einem Ballon aus, gemalt wurde. Der Horizont ist gekrümmt, während die Sonne prunkvoll strahlend untergeht und in einer Diagonalachse zum aufgehenden Mond mit seiner Korona angelegt wurde.

Die rotbraun-goldene Tafel vor den blauen Wolkenformationen, erzeugt einen 3 D – Effekt. Beim ersten Betrachten, steht die heroische Landschaft total im Vordergrund. Vorn sieht man das Mittelmeer mit der Insel Zypern, diagonal recht dahinter das Nil – Delta und hinter einer blauschwarzen Farbscheide kommt das Rote Meer in Sicht. Laut historischer Überlieferung begann die Schlacht am Morgen und war am Abend entschieden. Albrecht Altdorfer wählte also genau den Zeitpunkt des Sieges aus. In der Bildmitte verfolgt Alexander den persischen Großkönig Darius, der mit drei Pferden und dem Kampfwagen die Flucht ergreift. Die Geschichtsforschung verstand in diesem Ereignis eine Wende in der Weltherrschaft: vom Orient zum Abendland.

Der ursprüngliche Text auf der Tafel lautete :
„Alexander der Große besiegt den letzten Darius; es wurden hunderttausend Fußsoldaten und über zehntausend persische Reiter getötet. Die Mutter, die Gemahlin und die Kinder wurden gefangengenommen; dieser jedoch kann mit kaum mehr als tausend Reitern fliehen.“

Quelle : Ulrich Pfisterer, Anna Rühl , Franz Winzinger

Dieter Raedel, Prenzlmaler. Berlin.