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Wohnungen müssen zur Kunst passen und nicht umgekehrt!

Sinnbefreite Kommentare zu Kunst und Künstlern sind den Künstler- Kollegen ja bereits geläufig und sie haben sich zum Großteil ja auch bereits daran  gewöhnt . Zumeist läuft das Ganze auch im stupiden immer gleichbleibenden Rythmus ab – so ganz nach dem Motto: „Oh, aber das Bild passt jetzt doch nicht mehr zum Stil meiner Wohnung“ bzw. „Wir haben unser Haus neu gestaltet, da sind wir jetzt eher so auf dem Trip, alles ganz in Blau zu halten, da passt moderne Kunst schon hin, aber eben nur in den passenden Farben“ . Mal ganz abgesehen davon, dass keiner weiß, was nun genau passende Farben sind, ja zum Geier , erlaubt sei hier die Frage:  Sind denn diese Leute eigentlich noch ganz bei Trost??? Meine Antwort: Ein ganz klares NEIN!!!.

Ja wo kämen wird denn hin, wenn die Kunst zur Deko wird, wenn der Künstler sich und sein Werk in einem unsinnigen und für ihn demütigenden Prozess den Sichtweisen und Sehgewohnheiten der Rezipienten anpasst!? Jeder Versuch in dieser Richtung würde nur ein Scheitern des eigenen künstlerischen Weges sein, eine Strauchelstelle, die zu nichts führen kann als zu einem zufriedenen Käufer, der sich Bilder nach Stil seiner Wohnung aussucht.  Hilfe! Deshalb kann es also nur so sein, dass die Kunst an erster Stelle steht und die Umgebung sich der Kunst unterzuordnen hat. Erst das Werk dann die Wohnungseinrichtung, ja wie denn sonst auch ?

kunst-meissen-iris-hilpert

 

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Trolle in Internetforen: Füttern erlaubt!

Fakt ist: Wärme begünstigt Bewegung und durch Reibung entsteht Wärme. Was das mit Kunst, mit Netzkultur zu tun hat?  Es geht um Trolle. Trolle sind im Internet auf vielfältige Weise unterwegs, sie treiben ein näckisches Spielchen mit Admins und Moderatoren in Internetforen, Communities oder anderen gleichgelagerten Plattformen. Trolle sind sehr oft ganz schön garstig, können aber Diskussionen auch bereichern, weil anstacheln. Die vermeintlich störenden Kommis unter so manchen liebevoll gezimmerten Posting  beleben das Internet. Somit lässt sich gutes Trollen durchaus als Kunst begreifen.

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Enorme Verdrängungsleistung

documenta.Annäherung (3/3)
Enorme Verdrängungsleistung

Na, ich meine, der zweite Teil war etwas verwirrend – jedenfalls ging es mir so – in einer größeren Form als die Buchstaben zuließen eine Abbildung der documenta.
(Freudscher Tipper: dosumenta – passt, gefällt mir gut.)

Solange es nur die documenta selbst betrifft, ist eigentlich Nachsicht angebracht, schließlich sind es (nur vordergründig) Freiwillige, die sich den Einwirkungen aussetzen. Die wollen das, die brauchen das – es ist vielleicht ersatzsexuell, wer kann es sagen, der nicht in dieser Welt keksiger Unrealismen gefangen ist ?? Liest sich kritisch ?? Aber nein.. wenn die Revolution der Kunst angekommen sein wird, um Alle zu befreien, werden die meisten Solchen als Mitläufer freigestempelt und – juhuuuh !! – können ihr Leben einfach weiter führen, als ob Nichts gewesen sei. Das entspricht ziemlich den Tatsachen. Doch was ist mit den Kunsttischtätern ?? Agenten, Kuratoren, Kunsthistoriker wohin man sieht, Experten, Kenner, Könner, Kannengießer und Kasselnießer. Leute, die sich von Kunst bedroht fühlen. (Das könnte erklären, warum die documenta … nein, ich verwerfe diesen Satz. Vergessen, nicht weiter denken, bitte.)

Ein Euphemismus für: „Ihr seid einfach zu doof !!“

Die Leitung der documenta will einen Mann vom Dach haben, quasi Balkenhol aus dem Weg der Blicke; die Leitung der documenta will Gregor Schneider verbieten eine Ausstellung zu machen. Das ist ein Schlag, der die Rockschöße an den Kunstbörsen landauf, landunter wild flattern läßt !! Statt daß sich drei der großen deutschen Religionen: die katholische, die evangelische und die documentale, die Hände reichen und fröhlich – bildlich und statuesk gesprochen – tanzen, gibt’s Zoff. Die Leiterin der documenta proklamiert offenbar einen Alleinvertretungsanspruch, legt Gewicht darauf, durch verschiedene Formen der Äußerung. Eine davon ist das Schweigen.

Alleinkunstvertretungsanspuch. Das ist jedenfalls der Eindruck der erzeugt wird. Zum Glück muß Thomas Bernhard das nicht mehr erleben, oder eine seiner Figuren zwingend daran teilnehmen. Kunsthistoriker, überall Kunsthistoriker, möchte man rufen, erinnert mich an eine ausgerissene Zeichnung von Eugen Egner: „Hier ist auch einer !“

Wahrscheinlich auch Alleinkunsterklärungsanspruch. Tja, das ist wie eine Ausstellung, wo nicht nur im Heftchen jedes Bild erklärt wird, sondern auch jeder Besucher einen, nennen wir ihn Agenten, an die Seite gestellt bekommt, am besten mit einem tragbaren Lügendetektor. Damit sicher gestellt werden kann, daß der Besucher verstanden hat, bevor er entlassen wird. Auf Bewährung, natürlich, denn die beiden Monopolismen erzeugen fix den Alleinkunsterhebungsanspruch. (Das sind die langen Stempel in der documenta.Verwaltung.)

Wäre es noch früher in der Zeit, ich wäre dabei, wenn es gälte einen Ring um Kassel zu legen, aus Ausstellungen in leicht zu erreichenden Nähen, aus Ausstellungen, die Themen haben und Spaß machen, Ausstellungen, die sogar noch relevant sind, wenn man, aus Versehen, die ganz falsche besucht. Aber wem geht es nicht so ?? Eben…
Es ist vollkommen irrelevant, was ich dazu schreibe, die Kunst ist hier schon lange eine Industrie, die sich selbst ständig alt erschafft, erklärt und eifersüchtig hütet sie, was sie zuläßt, auf daß kein Außenstehender, der nicht zuverlässig zugeritten wurde einen Stand machen kann. Stapelbar, vorhersagbar, harmlos, unpolitisch, wohnzimmertauglich und gekauft.
Das ist die große Masse großer Kunst in Deutschland. Da würde eine aufregende Ausstellung nur stören. Ablenken von den propagierten Besinnlichkeiten. Banaler Scheißdreck, wie manche Leute meinen. Und ich kann die gut verstehen – ich bin einer von denen.

Aber die Figuren mit den umgehängten Schildern, die gefallen mir schon ganz gut. So ist am Ende doch noch was Positives zu schreiben, ich grüße Sie, Ihr Unvermeidner.

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Über Gustav Klimt

Otto Weininger philosophierte in Anbetracht der Frauen von Gustav Klimt : „Der ganze sezessionistische Geschmack, der den großen, schlanken
Frauen mit flachen Brüsten und schlanken Hüften den Preis der Schönheit zuerkennt, ist vielleicht hierauf (nämlich daß zu gewissen Zeiten
mehr männliche Weiber geboren werden) zurüchzuführen. Die ungeheure Vermehrung des Stutzertums und der Homosexualität in den letzten
Jahren kann ihren Grund nur in einer größeren Weiblichkeit der jetzigen Ära haben.“ (Quelle: Gottfried Fliedl , Gustav Klimt)

Aus der Literatursammlung von Prenzl

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Letztes Mal war aber besseres Wetter

[documenta.Annäherung (2/ wahrsch. 3)]
Zwischen Anfang und Ende: die Mitte.

Die Frage ist schon gestellt, die Antwort lautet: wer weiß es schon ?? Vorher zu wissen, könnte Sache der Künstler sein (und auch etwas der Organisatoren), während zu wissen, ist Sache der Besucher und danach zu wissen, ist ein wieder so Ding der Kunsthistoriker.
Durch die Wiederholung, die Frequenz, die Drehzahl, wird die Gegenwart schon in ihrer Zukunft in die Vergangenheit eingebettet, das ganze Treiben sinkt herab zur Kirmes, die Sensation verkommt zum Abgleich von vorinformierter Erwartungshaltung mit dem tatsächlich Gebotenen. Man weiß: die documenta ist groß – groooß – und größer als man selbst, da sie inzwischen länger existiert, als die Masse ihrer Besucher, Wieder.Besucher.
Es ist auch nicht mehr so, daß sie einen Überblick darüber gibt, was zur Zeit der vorherigen documenta an aktuellen Kunstströmungen noch zu neu und ungelagert war, noch unhistorisierbar, noch lebendig, deswegen nicht geladen.
Von außen betrachtet, interessiert, aber nicht involviert, erkenne ich die documenta als ein Ding unter Künstlern, die dort ihre Sachen tuen oder zeigen. Das Publikum ist schön und gut, ja: notwendig manchmal, ja: gewollt auch, Geldbeutel nicht vergessen !! – doch es ist Publikum. Nicht mehr oder weniger. Weniger geht kaum und mehr ist nicht drin, denn so könnten die Künstler nicht arbeiten. Und das sonnen in Ausstellungsruhm ist auch Arbeit, das weiß jede Person, die schon mal einen ausstellenden Künstler sah. Kleiner Spaß. Nur der vorvorletzte Satz.

Was ist also mit den Künstlern ?? Das, was bis in die Medien dringt, hat oft den Anstrich der allerersten Sensation am Platz in der aktuellen Ausgabe; das Buhlen um Aufmerksamkeit, so scheint es, so glänzt es. So bleibt es dann auch in der Erinnerung: kurz.
Das ist dann eher keine große Kunst ?? Oder lange ?? Kurze Kunst ?? Zu viele Künstler, deren einzige, fassbare Gemeinsamkeit eben diese documenta ist. Nicht möglich eine pauschalisierte Aussage zu treffen, die darüber hinaus geht, daß es wohl des Künstler’s Begehr ist dort mit zu tuen. Im Allgemeinen. Als benchmark und nette Idee für die Vita. Nichts weiter zu dem Künstler, den Künstlern, also. Das ist schade, doch nicht so schade, wie etwas herbei schreiben zu wollen, was gar nicht zu fassen ist.
Fasste ich es allerdings, nachdem ich zum Beispiel einen Blick auf die Ergebnisse einer Suche geworfen hätte, wo schaurig schöne Sätze wabern in der Glast des Nachmittages: „Die Weltkunstausstellung documenta gibt ihr Geheimnis preis und veröffentlicht ihre Teilnehmerliste. Fast 300 Namen stehen darauf. Nicht alle sind Künstler – und auch Tote sind dabei. Nicht nur in Kassel, sondern auch in Kabul, Kairo und in Kanada gibt es Veranstaltungen.“ (Quelle dazu: die Frankfurter Rundschau.)
Und ja, es ist seltsam: S. Dali, Th. Mann, Man Ray, drei Tote, die mir direkt ins Auge fielen, dazu noch etliche alte Säcke und Säckinnen, Leute, die seltsame Dinge tuen, Dietmar Dath, der eigentlich doch noch jung genug ist einfach weg zu rennen – vielleicht ein Fehler, daß er auf der Liste ist.
Dabei will ich mich nichtmal abschätzig (was’n Wort) über die einzelnen Teilnehmer äußern – so einfach will ich es uns hier dann doch nicht machen. Nein, diese Veranstaltung ist es, der ich höhne. Ein lauer Pups der Arriviertheiten, gepflegte Langeweile an Nachmittagen, die Niemandem was tuen kann, nichtmal sich selbst. Das soll Kunst sein ?? Warum ?? Höhöhö. Wo ist die Kunst, die Heute benötigt wird ??

Taugt uns und der Kunst noch das Bürger.Spektakel, aus anderen Zeiten stammend, das vollkommerzialisiert, aller Originalität entkleidet (hier wieder: die Wiederholung), 100 Tage kurz-lang durch quintannale Provinzstraßen taumelt ??
Eine Messe ?? (Künstler sucht Galerist, Viehmarkt mit Werken, top or flop ?? Fap fap fap ??)
Ein Meese ?? (Nicht unbedingt ein Freund dieser Messe, er muß es wissen, er ist ein umfassender Spektakelist. Kein Wunder, daß er sich etwas äh abschätzig über die documenta äußerte.)
Ein Käse ?? (Verflachung oder Zeitgeist, der Druck zu zeigen, dort zu sein, im ‚100 Days Las Vegas of Arts and even Deads‘ ?? Und die damit einhergehenden, stressbedingten Fehlleistungen ??)

All diese Fragen kann ich zwar hier stellen, doch nicht beantworten. Beantworten kann sie der gemeine Besucher, da er, sie schließlich in seiner, ihrer Gesamtheit über die Zukunft der documenta entscheidet.
(Antworten auf alle Fragen werden als Kommentare gewünscht… ganze Sätze bitte. )

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Zusammengefasst: groooße Ausstellung, große Auswahl an Einflüssen und Nebenwirkungen, welche die Meinung des potentiellen Besuchers dazu bilden helfen. Wenn etwas wirklich groß ist und auch den Titel ‚Welt usw‘ belegen kann, dann ist das nur natürlich, daß für den Einzelnen kaum noch Platz dort ist… vor lauter Leere.

(Das ist Teil 2 von 3, einer Schrift, die die documenta von außen betrachtet, die das Echo, das sich im Autor verfing, versucht etwas allgemeiner zu beschreiben.)