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Ist die „Kreuztragung“ tatsächlich ein Werk von Hieronymus Bosch ?

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Offene Fragen zur Kreuztragung in Gent

Es wäre bei Weitem nicht das erste Mal in der Geschichte der Kunstwissenschaft, dass die Urheberschaft eines Werkes im Nachhinein angezweifelt bzw. den Schülern des Künstlers oder einem oder mehreren unbekannten Künstler zugeordnet wird. Hin und wieder werden Stimmen laut, die das Gemälde „Kreuztragung“ (Abb. 2), Entstehungszeitraum 1515 – 1520, gerade nicht Hieronymus Bosch  zuordnen wollen. Dies begründet sich vor allem  auf dem Vergleich der Maltechnik in Bezug auf sein Werk „Dornenkrönung“ von 1495. Stefan Fischer versteht sich als Kenner des Oevres von Bosch. In seiner Rezension „Kennerschaft bei Hieronymus Bosch“  resümiert er tiefgreifend über die Unähnlichkeit des Malstils in der Kreuztragung hinsichtlich anderer Gemälde Boschs, im vorbezeichneten Fall der „Dornenkrönung“ (Abb. 1)

Abb 2 - Dornenkrönung - wiki - public domain
Abb 1 – Dornenkrönung – wiki – public domain
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Abb 2 – Kreuztragung (1515-1520) wiki (engl.) public domain

Die Rede ist weiter von der sehr stark karikierten Darstellung der nahezu fanatischen Gesichter im Gemälde „Kreuztragung“. Jedoch, die Frage sei erlaubt, ist es denn nicht oft so, dass Künstler ihren Stil verändern bzw. sogar vertiefen, um eine Bildaussage zu unterstreichen? Kann es nicht sein, dass die „Kreuztragung“, welche ja wesentlich später entstand, gerade für diese Eigendynamik künstlerischen Schaffens eine typische Vertiefung darstellt?

Ähnlichkeiten einiger Figuren trotz karikativer Verfremdung

Mir ist die Ähnlichkeit der folgenden Figuren aufgefallen:

Figur im unteren rechten Bildeck beim Gemälde Dornenkrönung und Figur mit Helm im Bild Kreuztragung (2. Gesicht von rechts unten in unterer rechter Bildecke). Ebenso assoziiert die Figur links im Bild Dornenkrönung sowohl mit der Figur mit roter Kappe und dem Gesicht mit dunkler Kopfbedeckung (weiter oben) des Bildes Kreuztragung. Ich habe durchaus Hochachtung vor der gründlichen Recherche des Zweiflers, jedoch sollte bei den Überlegungen auch der zeitliche Abstand zwischen den beiden Werken Boschs von 20 bis 25 Jahren zu Grunde gelegt werden. Eine für einen Künstler und dessen Entwicklung doch sehr beachtliche Zeitspanne.

Das Unglaubliche und Mysteriöse des gesamten Werkes von Bosch wird freilich auch dadurch nicht sonderlich erhellt, wenn man davon ausgehen sollte, dass die Kreuztragung nicht von ihm stammt. Er bleibt einer der rätselhaftesten Maler die es je gab.

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Hieronymus Bosch

Geboren um 1450 in ’s-Hertogenbosch (Niederlande)  – Gestorben im August 1516 ebenda

– bedeutender und geheimnisvollster  niederländischer Maler der Renaissance.

– ein bis heute faszinierendes und surrealistisch wirkendes  Gesamtwerk hinterlassen

– keine einfache Interpretation möglich

– keine schriftlichen Aufzeichnungen zu seinen Werken von ihm verfasst

Bekannteste Werke

– Der Garten der Lüste (Tryptichon)

– Die Versuchung des heiligen Antonius (Tryptichon)

 

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Hieronymus Bosch | Der Pilger und der Wanderer | Zwei Bilder – ein Geheimnis?

Der Pilger und der Wanderer – sind die jeweils ein Anderer?

Ich denke – wie auch die Kunstwelt vor mir –  nein. Bei genauer Betrachtung sind die Ähnlichkeiten der beiden Figuren deutlich zu erkennen. Malte der Maler am Ende gar sich selbst? Der Pilger ist auf dem Außenflügel des Heuwagentryptichons abgebildet , wohingegen der Wanderer in einem Einzelwerk dargestellt wurde.

Zuerst sollen an dieser Stelle anhand der beiden eingefügten Ausschnitte die Gesamtfiguren betrachtet werden, deren Körperhaltung jeweils seitlich nach unten geneigt ist. Offenbar lag Bosch diese Figur, da er sie auch in der Haltung wiederholt. Es ist ja für einen Künstler auch immer einfacher, auf ein vorhandenes Repertoire zurückzugreifen.  Wanderer wie auch Pilger tragen den Stock und bei beiden befindet sich ein Hund zu Füßen, der dem Wege folgt. Ganz offensichtlich ist es ein und die  selbe Figur, die sowohl auf dem Außenflügel des Heuwagen-Tryptichons wie auch beim Bild „Der Wanderer“ vorzufinden ist.

Beide Männer sind schon alt, der Wanderer vielleicht ein wenig jünger. Beide sind offenbar sehr arm, wirken verbraucht. Sie schauen nicht nach vorn, denn sie wissen ohnehin welche Mühsal der Tag bringen wird. Einzig der Hut, den der Wanderer zusätzlich in der Hand hält, fehlt dem Pilger.

 

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Der Wanderer

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Der Pilger (Außenflügel Heuwagentryptichon)

(Zum Vergrößern bitte jeweils auf die Einzelbilder klicken. )

Die Details

Kommen wir zu den Gesichtern. Auch hier zeigt sich die frappierende Ähnlichkeit der beiden Männer. Beide mit weißem Haar, das Haupt von einem Umhang mit Kapuze bedeckt. Die Mühsal des langen Weges steht ihnen beiden deutlich ins Gesicht geschrieben. Die Gesichtszüge ähneln einander so sehr, dass man meinen könnte, es handelt sich um ein und dieselbe Person, am Ende gar um den Maler selbst? Das Gesicht des alten Mannes mit den ebenmäßigen Zügen wird auch oft als das „geheimnisvolle Gesicht“ bezeichnet.

Es taucht auch im Tryptichon „Die Versuchungen des heiligen Antonius“ (der Mann, welcher den beiden Mönchen hilft, den Antonius über eine Brücke zu geleiten. ) auf und ebenso im Bild Johannes auf Patmos. Es ist bis heute ungeklärt, ob der Maler sich selbst in diesen Bildern in der Gestalt des Wanderers und des Pilgers verewigt hat, denn das einzige posthume Porträt von Hieronymus Bosch, welches dem Maler Jacques Le Boucq zugeschrieben wird (nicht gesichert) zeigt ein anderes Gesicht.

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Der Wanderer (Detail)

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Der Pilger (Detail)

 

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Hieronymus Bosch | Die Versuchungen des heiligen Antonius

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„Die Versuchungen des heiligen Antonius“ (Triptychon) – von Hieronymus Bosch – Bildquelle-wiki: public domain

Wie auch in seinem Werk „Der Garten der Lüste“, welches ebenfalls ein Tryptichon ist, widmet sich der geheimnisvolle und bis heute in seinem Werk kaum zu entschlüsselnde Maler Hieronymus Bosch (vermutlich um 1450 bis  † August 1516) mit den „Versuchungen des heiligen Antonius“ erneut einem streng biblischen Thema, dem der Versuchung des asketisch streng gläubig lebenden Menschen , in diesem Fall am Beispiel der Figur des heiligen Antonius. In einer unglaublich bildlich erzählerischen Dichte führt uns der Maler die Versuchungen vor Augen, qualvolle Eindrücke und alptraumhafte Visionen plagen den Antonius. Es wird gequält, gezerrt und gefoltert, was das Zeug hält. Verschrobene Figuren, einzigartig hinsichtlich ihrer zum Teil fragmentarischen Gestalt und vor allem schaurig faszinierend. Kaum vorstellbar, dass dieser frühe Surrealist im 15 Jhd. gelebt und gewirkt hat, alles sieht sehr utopisch und neuzeitlich aus. Bosch wird ein Rätsel bleiben in der Welt der Kunst.

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Hieronymus Bosch | Der Garten der Lüste

"Der Garten der Lüste"
„Der Garten der Lüste“  (wikipedia-publik-domain)

Das Entstehungsjahr dieses vieldiskutierten und nach wie vor rätselhaften Triptychons des niederländischen Malers Hieronymus Bosch „Der Garten der Lüste“ entstand schätzungsweise im Jahr 1500. Das Werk befindet sich heute im Museo del Prado. Wie so viele Werke Boschs entzieht sich auch dieses einzigartige Gemälde sämtlichen Deutungen. Klar ist: Bosch vermittelt in den Tafeln Botschaften. Allesamt beinhalten die Entstehung der Welt aus biblischer Sicht. Das gesamte Werk dieses genialen Malers, der im Mittelalter lebte, bleibt bis heute schwer uz entschlüsseln und wirkt sehr neuzeitlich surrealistisch.