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„GRSS GTTn“ von Barbara Rapp mit evangelischem Kunstpreis ausgezeichnet

Für ihr geschlechterrollenkritisches Wandobjekt „GRSS GTTn“ wurde die Multimediakünstlerin Barbara Rapp aus Velden (Österreich) mit dem mit 1.000 Euro dotierten Kunstpreis der Evangelischen Johanneskirche Klagenfurt ausgezeichnet. Der Preis wurde anlässlich der 150-Jahr-Feier der Johanneskirche am Lendkanal heuer erstmals vergeben. Thematische Vorgabe war die Auseinandersetzung mit dem Thema „Wunder“.
Presbyteriumsmitglied Lilo Buchacher fungierte als Leiterin der Jury, die Mitglieder: Superintendent Manfred Sauer, Malerin Caroline, Kunstpädagogin Grete Buchacher, Künstler Manfred Traar und der Kurator der Pfarrgemeinde Udo Puschnig.

Barbara Rapp, Caroline (vlnr)

„Die Auszeichnung dieses Objektes hat mich positiv überrascht, weil es keine zwangsläufig ,kirchengefällige‘ Arbeit ist. Und dass die von mir sehr geschätzte Malerin Caroline eines der Jurymitglieder war, freut mich ganz besonders“, kommentiert Rapp. Mit dem Untertitel „a tribute to Katrin Ackerl Konstantin“ widmet sie ihr Werk übrigens einer Künstlerin, die sie im Rahmen bisheriger Zusammenarbeiten speziell zu diesem Wandobjekt inspiriert hat.

Das Thema des Bewerbes stellte die Frage in den Raum: „Wann sprechen Menschen von einem ,Wunder‘? Wenn etwas unerwartet Positives eintritt, bei nicht erhofftem sportlichen Erfolg oder einem Lottogewinn, wenn man von einem Unglück verschont geblieben ist? Mit Wunder wird dann oft etwas ,Überirdisches‘ assoziiert, ein Schutzengel oder ,Gottes Hand‘, die im Spiel war.“ Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wunder in allen Schattierungen war Ziel der Ausschreibung des Kunstpreises.

Diese Vorgabe denkt Rapp mit ihrem Statement weiter und unterstreicht damit ihr konsequentes Engagement für die Gleichbehandlung aller Geschlechter: „WUNDER als etwas unerwartet Positives definiert, stellt diese Arbeit den WUNDER_baren Zustand in den Raum, der eine auch heute noch existierende gesellschaftliche Benachteiligung des Menschen als Frau auflöst. Menschen, von welchem Gott ,gemacht‘? Wird dieser „Modus“ jemals vom Status WUNDER in die REALITÄT wechseln? WECHSELN wir die PERSPEKTIVEN und reichen einander die Hand!“

Rapp erhielt den Kunstpreis der Evangelischen Johanneskirche Klagenfurt in der Kategorie Einzelpersonen und Gruppen über 18 Jahren.
Vergeben wurde weiters die Kategorie unter 18 Jahren an eine Gemeinschaftsarbeit der Volksschulen Feistritz im Rosental, Maria Elend, St. Jakob, Ledenitzen, Köstenberg und Villach Lind unter der Leitung von Religionslehrerin Annemarie Rainer.
Als Sonderpreis des Evangelischen Clubs der Johanneskirche Klagenfurt wurde der Farbdruck mit dem Titel „Wunderschön, das bin ICH“ von Harald Rath ausgezeichnet; Rath lebt im Atelier DeLaTour für Menschen mit Behinderung in Treffen. Die eingereichten Arbeiten bzw. deren Kunstschaffende mussten einen Bezug zu Kärnten haben.

Fotos: Marcel Ambrusch

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Barbara Rapp | Geräusch konserviert | Experiment

So, das steht schon länger aus, dass muss ich mal pushen hier und jetzt!!! Gerade wieder bin ich auf der Recherche nach guter, nach wirklich guter experimenteller Kunst über dieses geniale Werk von Barbara Rapp  gestoßen. So, und los geht´s: Fangen wir an bei Sekunde 0:06. Da ist dieser lange, dieser extrem langgezogene Schrei und der ist so konserviert wie das Gesicht, der ganze Gesichtsausdruck, diese faszinierende Mimik der Barbara Rapp, eingefrostet zum Schrei, zum ultimativen, zum alles beherrschenden Schrei, dem Schrei an sich, dem Hauptschrei, dem Ur- und dem Angstschrei, wenn man so will!!! Dieser Schrei nun, er klingt temporär bei Sek 0:23 ab, das Gesicht verschwindet kurz etwas im Nebulösen, um dann bei Sekunde 0:26 umso intensiver (zumindest empfindet der Betrachter es so) wieder hervorzutönen! Wahnsinn!!!  Er kommt näher, dieser Schrei, nicht durch eine gesteigerte Lautstärke, sondern ganz empfindlich, sichtbar und fühlbar und damit auch hörbar durch das Heran-Zoomen des schreienden Gesichtes, dieses zum Aufschrei geformten Mundes, die Augen so nah und intensiv. Der grellrot geschminkte Mund, der so überzeugend und fressend im Kontrast zum Grau-Weiß des Hintergrundes steht, er formt diesen Schrei. Hier wirklich bewundernd die künstlerische Ausdrucksstärke, eben dieses optisch verstärkende Geräusch, so stark, dass es scheint, als höre der Betrachter den langgezogenen Schrei eben lauter, deutlicher und schrecklicher auch. Es ist der Schrei der Menschheit, einer gequälten Menschheit, einer leidenden Menschheit.

Pause (nur kurz, so für mich bloß, nur zum Atmen mal eben)

Bei Minute 1:15 ist dann erstmal ein Ende mit diesem Schrei, ein Erschöpfen, der Schrei geht über in ein nach hinten gebeugtes Gesicht, ein transzedentes Irgendwas, auf jeden Fall etwas allgemein Gültiges, auch Ewiges. Es geht alles zurück in ein leiseres, ein stilleres, ein langes Aaahhhhh und das Gesicht entfernt sich vom Betrachter  wieder, es staunt, es ist wissend, es zieht sich für den Moment in sich selbst zurück. Und bis zu Minute 2,38 kommt dieses Aaahhh wieder näher, es erreicht uns wieder, es nimmt uns gefangen!

Nun: Minute 2:43 ist erreicht ein ganz anderes Face, mit einem spitzen Mund. Mishung zwischen Uuhhhh und Summen, nur wieder genial inszeniert, künstlerisch wertig umgesetzt und hier muss ich verdeutlichen, hier nun bestimmt die Optik den Rhythmus, hier ist die Bildgebung über dem Ton, selten genug in der Kunst, denn die Töne sind oft dominanter als die Gesten, die Bilder, die Worte, Akustik halt, die oftmals dominiert. Und das Uuuhhh kommt zu uns heran bis zur Minute 3:51, dann wechselt es ins langhe Iiihhhhh!!!

Das Iiihhhh begleitet den Betrachter bis zur letzten Sequenz.

Fazit: Was bleibt, ist ein I?

Danke Barbara, du hast mir wertvolle 5:20 Minuten meines begrenzten Lebens  mit deiner Kunst bereichert!!!!!