Geschrieben am

Vincents Sonnenblumen | Die Kraft der Ungleichheit

12 sonnenblumen

Ungleichheit als Blickfang

Das Motiv der Sonnenblume ist beliebt unter Malern. Einer der berühmtesten Vertreter ist wohl Vincent van Gogh. Er brachte die Blumen, welche als Symbol für die Lebensfreude schlechthin gelten, in vielen Variationen auf die Leinwand und erweckte Sie zu einer ganz neuen Größe. Du wirst Dich fragen warum gerade die Sonnenblumen von van Gogh so besonders sind? Ein wesentlicher Betrachtungspunkt könnte die unterschiedliche Darstellung der Blume in jeweils einem Bild sein.

Vincents Sonnenblumen | Die Kraft der Ungleichheit weiterlesen

Geschrieben am

Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch | Das schwarze Quadrat

Quadrat in vier Fassungen

In mindestens vier Fassungen gibt es das – ja was eigentlich? Das Nichts? Oh nein, das Quadrat, genauer genommen DAS Quadrat, das Schwarze. In der ersten Fassung ist es 79x 79 cm groß. Was hat sich das der Maler Kasimir Malewitsch eigentlich gedacht. Mittlerweile ist das Kunstwerk von Malewitsch eine regelrechte Ikone der Malerei des 20. Jahrhunderts. Nun wird es auch noch rissig und es ergraut. Allerdings darf das Bildwerk das auch: Grau werden. Ist es doch bereits über 100 Jahre alt:). So, genug zu den bildtechnischen Details. Diese und Infos zur Entstehung des kleinen Schwarzen sind ja ausreichend im www. nachzulesen. Hier der Wikilink dazu>>> Wir möchten uns hier viel dringlicher mit der Frage beschäftigen was uns das Kunstwerk eigentlich sagt?

Antimaterie und nichts als Nichts

Dazu muss klar sein, dass von Nichts Nichts kommt. Oder doch? Nicht doch. Nichts bleibt nichts. Folglich: da Schwarz nun einmal keine Farbe ist, hat logischerweise auch das schwarze Quadrat keine Farbe. Es hat also noch nicht einmal in diesem Punkt etwas zu bieten. Emotionen kann das Kunstwerk auch nicht wirklich auslösen, da es eine eher geometrisch gerade Form aufweist, ein Rechteck eben, ein quadratisches Rechteck.

Außer der seinerzeit ausgelösten  Irritation angesichts eines derartigen Nichts ist da einfach nichts. Vielleicht zeigt das Bild einfach die beim Urknall in minderer Menge im Verhältnis zur Materie entstandene Antimaterie? Immerhin wurde das Gemälde am 7. Dezember 1915 in der letzten futuristischen Ausstellung in der Galerie  Dobytčina in Petrograd (Sankt Petersburg) gezeigt.

Was sagt der Meister denn nun aber um Gottes Willen selbst zu diesem ikonenhaften Werke ?

Einmal vorweg: Der Meister selbst nannte es „Viereck“ in einem Ausstellungskatalog. Immerhin! Weiterhin war ersichtlich in den Ausführungen, dass das Schwarze Teilchen noch von einem gar weißen Rand umgeben ward. Nun aber zum Beweggrund der Entstehung, der dann doch auch Tieferes erahnen lässt. Nun das Zitat:

„Als ich 1913 den verzweifelten Versuch unternahm, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien, stellte ich ein Gemälde aus, das nicht mehr war als ein schwarzes Quadrat auf einem weißen Grundfeld … Es war kein leeres Quadrat, das ich ausstellte, sondern vielmehr die Empfindung der Gegenstandslosigkeit.“ (Kasimir Malewitsch)

 

 

quadrat schwarz kasimir malewitsch
Schwarzes Quadrat, 1915 wiki-pd
Geschrieben am

Myriam Thyes | Smart Pantheon

smart-pantheon-myriam-thyes-1

Smart Pantheon

Insbesondere  Zeit wird benötigt, um die Videoarbeit „Smart Pantheon“ der Schweizer  Künstlerin Myriam Thyes zu inhalieren. Vor allem die Zeit ist in der heutigen extrem schnelllebigen Gesellschaft etwas ganz Besonderes. Absurd: Obwohl Vieles innerhalb kürzester Zeit erledigt werden kann, haben die Menschen immer weniger Zeit. Smartphones sind die neuen Heiligtümer und sie fressen unsere Zeit.

Myriam Thyes schreibt zur Intention Ihres Kunswerkes:

„Hände unterschiedlicher Menschen bedienen Smartphones. Deren Bildschirme zeigen keine App – nur die Sinnlichkeit der bewegten Hände zählt. Jedes Händepaar spielt beide Rollen aus Michelangelos „Die Erschaffung Adams“ in der Sixtinischen Kapelle: Gottvater und Adam, deren Finger sich berühren. Smartphones sind die neuen Heiligen, an die wir uns klammern und die uns den Weg weisen. Sie sind die Amulette unserer Zeit.“

Dementsprechend liefert die Künstlerin auch eine mögliche Erklärung, weshalb die Videoarbeit „Smart Pantheon“ so faszinierend ist:

„Meine erste Idee war die sinnlichen Bewegungen der Hände unterschiedlicher Smartphone-Nutzer/innen zu zeigen. Die Video-Aufnahmen machte ich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Meine Kollegin Monika Pirch, der ich erste Aufnahmen zeigte, meinte, ich müsse die Bildschirm-Inhalte unbedingt löschen, weil man sonst nur darauf achte. Dies brachte mich auf die Idee: Wenn ich die Displays als „Löcher“ ausschneide, kann ich darin jeweils die nächste Aufnahme zeigen!

Dies wiederum erlaubte mir, verkleinerte Aufnahmen in den Smartphone-Displays der jeweils bildfüllenden/äußeren Szene so zu platzieren, dass die „inneren“ und „äußeren“ Hände einander berühren: Letztlich kommunizieren durch die Technik hindurch ja Menschen mit einander. So konnte ich zudem auf Schnitte verzichten, was mir in meiner Videokunst meist lieber ist.

Um den Fokus noch stärker auf die Bewegungen der Hände zu legen, machte ich das Ganze in Schwarz/Weiß. Durch das regelmäßige Vergrößern von innen nach außen entstand ein „Tunnel-Effekt“, der meditativ-aufmerksame Betrachter/innen ins Bild-Geschehen reinziehen kann. Der Ton besteht aus lauter Geräuschen, die ich und Monika mit den Händen (teils auf Holz) erzeugt haben.“

SMART PANTHEON

2016, HD Video, 19:10, Loop, s/w, stereo. Kurze Version: 5:50 (anderer Schnitt, kein Loop)
Regie, Konzept, Kamera, Schnitt, Effekte, Ton: Myriam Thyes
Zweite Kamera und zweite Tonaufnahme: Monika Pirch
Alphakanal-Masken: Nikolaus Burhenne

Myriam Thyes arbeitet in den Bereichen Videokunst, Fotografie, digitale Bilder und Animation. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf und Zürich.

Zur Webseite 

smart pantheon myriam thyes

 

Geschrieben am

Wassily Kandinsky | Der blaue Reiter und At rest | eine Gegenüberstellung

At Rast Blauer Reiter Wassily Kandinsky

Kandinsky – zwei Bilder eines Künstlers

Wassily Kandinsky: kaum ein anderer Künstler  hat so nachhaltig die Moderne Kunst geprägt. Immer wieder hat sich Kandinsky selbst neu erfunden und erinnert in manchen Phasen seines Schaffens auch an Max Ernst. Der blaue Reiter und At rest sind zwei auffallend unterschiedliche Werke von Kandinsky und vielleicht nicht ganz so bekannt wie beispielsweise „Komposition VIII“, welches im Guggenheim in New York hängt. Zwischen den beiden Bildern liegen 39 Jahre. Insofern eine recht große Zeitspanne. Daher ist es ganz normal, dass ein künstlerischer Wandel in Bezug auf die Ausdrucksform eintrat.

Vom Impressionismus zum Expressionismus, vom Figurativen zur Abstraktion

Kandinsky, gründete im Jahr 1911, gemeinsam mit Franz Marc, den Künstlerverein „Der blaue Reiter“ und gab im Jahr darauf, 1912, das Almanach „Der Blaue Reiter“ heraus. Als Titelbild für Letzteres diente das Gemälde Kandinskys „Der blaue Reiter“ aus dem Jahr 1903. Der Maler sah sich selbst gern als Wegbereiter des künstlerischen Umbruches, der mit alten Ausdrucksformen brach. Schaut man auf die beiden unten abgebildeten Werke, so ist ihm dies auch im Laufe der Zeit gelungen. Anders formuliert: Kandinsky gelang in seinen Bildern die Wandlung der Ausdrucksform hin zum Abstrakten in radikaler Weise.

So trägt das Ölgemälde „Der Blaue Reiter“, welches die Maße 51,1 cm x 54,6 cm hat und sich in der Sammlung Bührle in Zürich befindet, noch stark impressionistische Züge. Wohingegen 39 Jahre später im Gemälde „At rest“ nichts mehr davon zu finden ist. Allein in der Komposition ist sich der jedoch Künstler treu geblieben. Dementsprechend weist die künstlerische Anordnung in beiden Arbeiten Parallelen auf.

Der Bogen, den die Landschaft schlägt im „Blauen Reiter“, harmoniert mit dem Bogen im Bild „At rest“. Die Wolken befinden sich in beiden Werken in der linken Bildhälfte. Die Ruhe, welche der Titel simuliert im Bilde „At Rest“ ist übrigens trügerisch, da eine unverkennbare Dynamik des Bildaufbaus dem entgegensteht. Das Gemälde „At rest“ befindet sich im Privatbesitz. Auf jeden Fall ist es anhand der Gegenüberstellung beider Werke interessant zu erfahren, dass die Anordnung der Bildelemente ähnlich ist obwohl beide Bilder auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein können.

Geschrieben am

Rembrandt | Die Nachtwache

Die Nachtwache (1642) - Bildquelle: wiki:pd

Die Nachtwache von Rembrandt…

…gilt als das drittbekannteste Gemälde der Welt. Viele sehen in dem Werk vor allem eine ironische Darstellung der damaligen Bürgerwehr um den Hauptmann Frans Banning Cocq. Der britische Regisseur Peter Greenaway, der 2006 zum 400. Jahrestag Rembrandts einen Film über die „Nachtwache“ drehte, sieht im Bild gar einen verdeckten Mord >>>. Dagegen muss ich einwenden, dass ich, selbst bei genauester Betrachtung aller Details, nichts anderes erkennen kann als einen relativ vergnügten Haufen Männer mit einer Frau in der Mitte. Die Kompanie macht sich gerade soweit startklar, unschwer zu erkennen an der sich ordnenen Aufstellung. Diese Dynamik im Bild ist richtig gut gelungen und kommt klar zum Ausdruck.

Unabhängig von der Historie des Bildes, seiner Entstehung und seines späteren Schicksals (Das Werk wurde nicht nur beschnitten, um es passen zu machen, sondern im 19 Jhd. auch dreimal schwer beschädigt), wollen wir es uns einmal rein vom malerischen Standpunkt aus betrachten, denn genau dort geht die Schwierigkeit schon los! Dass, wie so oft in Rembrandts Werken, seine eigene Person von ihm im Hintergrund dargestellt wurde, ist ebenso sekundär wie der Umstand, dass, wie könnte es anders sein, die weibliche Person ausschaut wie seine Saskia. Viel augenscheinlicher ist doch, dass in dem Bild eigentlich gar nichts stimmt. Wer nicht weiß, dass dies das Bild eines der berühmtesten und bedeutendsten niederländischen Maler des Barock ist, den schaudert´s in Anbetracht der mangelhaften malerischen Ausführung.

Wo Licht ist, ist auch Schatten…

…ein Ausspruch, der bei diesem Gemälde eine doppelte Bedeutung gewinnt. Die Schatten fallen völlig falsch bzw. ist absolut unklar von wo die Lichtquelle denn nun eigentlich kommt? Vielleicht sind es ja auch viele Lichtquellen, die von überall kommen. Überhaupt steht die malerische Ausführung in starkem Kontrast zu Rembrandts sonstigen, meisterlich ausgeführten Werken, besonders seinen Porträts. Hat das Ganze gar , ähnlich wie bei Goya´s  „Familie Karls IV.“, eine groteske Bedeutung?

Wollte Rembrandt diese Bürgerwehr bewusst ins Lächerliche ziehen mit seiner Darstellung? Viele erhobene Hände im Bild deuten die Gewichtigkeit an, mit der sich die Truppe selbst wohl am Liebsten sieht. Und: War Willem van Ruytenburgh, der neben dem Hauptmann steht, wirklich so klein ? Auch die Frau im hellen Gewand, das Maskottchen der Kompanie, erscheint hier wie eine Miniatur. Dies fällt vor allem dann auf, wenn man sie ins Verhältnis zu den hinter ihr sich befindlichen Personen setzt. Hier bleiben zweifellos viele Fragen offen.

Es bleibt festzustellen, dass die lockere Aufteilung aller im Bild „Die Nachtwache“ beteiligten Figuren allein schon bahnbrechend ist für Soldatendarstellungen der damaligen Zeit. Rembrandt geht hier den wichtigen Schritt voran und erfindet sich in diesem Bild als Maler eben auch neu.

Die Nachtwache (1642) - Bildquelle: wiki:pd
Die Nachtwache (1642) – Bildquelle: wiki:pd