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„parablaupause –

Pressefoto Parablaupause Vinogradov-klein

Pressetext zur Ausstellung am 07.04.2016

„parablaupause“

Das Leben ist eine Reise, die Ausstellung eine Augenreise. Menschen sind meistens unterwegs, irgendwohin – an den nächsten Strand, zu sich selbst, in die nächste Bar, zur Liebe ihres Lebens, zum großen Glück……für einige ist der Weg das Ziel. Künstler begeben sich auf Reisen in ihre Welt und erschaffen Reisebilder ihrer Innenansichten. Acht Künstler aus Dresden und Umgebung zeigen mittels Videos, Fotos, Gemälden, Skulpturen und  Installationen was sie unterwegs wahrgenommen, gespürt, gesehen und erlebt haben.

[parablau] ist eine Ausstellungsreihe der Künstlervereinigung blaueFABRIK e.V. Dresden. Seit 2012 werden in den Räumen der Blauen Fabrik Künstler von nebenan und weiter her ausgestellt.  Nachdem die Ausstellungsreihe im November 2015 erstmals außerhalb der Fabrikräume in einem Einkaufszentrum unter dem Titel „[parablau] – ist mal nebenan“ mit 12 Künstlern einen großen Freiraum mit Arbeiten verschiedener Genre gestaltete, geht sie nun auf Reisen – nach Berlin in die Galerie Vinogradov.

Zwischenbetrachtung zum Titel: „parablaupause“

Die seitlich bekränzte Unterfrechung eines blauen Vorhangs oder die auf fotoschönmischigem Wege hörgedellte Sophie unter einem  paradoxen Sfumato.“ (BAL) Nebst Blau als Lieblingsfarbe deutscher Blaumänner dient der Kopfkinoanschaltende Titel der Weiterschaltung ins Blaue hinein. Geraten Sie beim Anblick der Kunstwerke in den gleichnamigen monochromen Zustand oder kommen Sie zur Parapause in die Galerie Vinogradova.  Ein Ende der Parapause in Flora und Fauna ist nur beim Erreichen eines höheren Stadiums abzusehen, ausgelöst durch z.B. die Photoperiode.  Sublimierung durch Belichtung.  In diesem Sinne erleuchtet, zieren die blaugepausten Porträts der Künstler die Präsentationsquadratmeter.

Verbunden sind die ausstellenden Künstler durch Einzel – und Gemeinschaftsausstellungen bei parablau. In angeregten  Pausengesprächen mit Ihnen das Blaue vom Himmel paraphrasieren, darauf freuen sich:

echofreak
BAL
Christopher Simpson
Conny Köckritz
Georg Knobloch
Peter R. Fischer
Tanja Rein
Iris Hilpert

Ausstellung „parablaupause“  vom 07.04.2016 bis 07.05.2016
Galerie Vinogradov
Chodowieckistraße 25
D-10405 Berlin

Vernissage am 07.04.2016 um 19 Uhr

Pressefoto Parablaupause Vinogradov-klein

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Wolfgang Beltracchi und der blinde Kunstgenuss

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Wolfgang Beltracchi und sein Mythos als Kunstfälscher …

…hat eine lange Historie. In diese reiht sich auch die Geschichte vom Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, der mit bürgerlichem Namen eigentlich Wolfgang Fischer heißt, recht zwanglos ein. Da nun aber mit dem Nomen Fischer kein Fisch an Land zu ziehen ist, knüpft Beltracchi so ganz easy an ein gewisses Flair an, zumindest dem für´s Künstlerische schlechthin so wohlklingenden Namen nach. Es ist im Übrigen der Name seiner Ehefrau. Und warum denn bitteschön auch nicht ?

Können kann er…

…die Kunst des Könnens, nicht nur die des Nach-Ab-und-Neu-Nach-Ab-Kunstens bzw. Malens. Dies steht wohl außer jeder Frage, wenngleich er mich in der Kunst der Kopie des Malers Joaquin Sorolla y Bastida , so gesehen in einer 2016-er Fernsehsendung, nicht über das Maß überzeugte. Den jetzigen Käufern  seiner Werke mag das egal sein, denn wenn man genau schaut, so hat er, der Wolfgang Beltracchi, eine unglaubliche Gabe, auch etwas in Vergessenheit geratene Maler mit Hingabe und Leidenschaft zu analysieren.

Den eigenen künstlerischen Weg…

…wird er trotz dem Ruf des genialen Kunstfälscher s sicher über kurz oder lang noch finden. Den Kennern seiner bisherigen Fälschungen werden natürlich noch seine Bilder im Stile bekannter Maler wie Heinrich Campendonk, Max Ernst und Max Pechstein in Erinnerung sein, auch den Auktionshäusern, in welche er diese Fälschungen geschickt einschleuste. Werke ohne Etikett zwingen zum Blindgenuss, so ein Zitat bei Wikipedia. Also doch ein Gewinn für Kunstfreunde?

Eine Ausstellung als Kunstfälscher finden…

…ist für ihn jedenfalls aktuell kein Problem, reißen sich doch die Medien um seine Person.  Bei allen Kontroversen muss man neidlos auch das Beherrschen des Handwerks ihm zugestehen.Zum Künstler muss er wohl erst noch reifen, denn ein Künstler findet seine ganz eigene Ausdrucksweise durch lange Auseinandersetzung mit sich, der Umwelt, dem Können oder Nichtkönnen. Vielleicht wird Beltracchis Kunst einst eine Quintessenz aus allen seinen Fälschungen und aus all diesen fließt etwas ein. Wäre dies nicht ein schöner Gedanke ? Auch wenn er keine Millionen einbringt?

Fiktiv-Frage: wer wäre denn am einfachsten zu fälschen? Fiktiv-Antwort: na, ein Beltracchi !

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Wolfgang Beltracchi | Iris Hilpert | Zeichnung | 2016

 

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Die lachende Käthe | Ein Besuch im Käthe Kollwitz Haus in Moritzburg

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Käthe Kollwitz lachend…

…ist dies denn überhaupt möglich? Das Abbild eines doch recht seltenen Selbstportäts, welches die Künstlerin lachend zeigt, ist direkt am Rundgangs-Eingang im 1. OG des Käthe Kollwitz Hauses in Moritzburg zu finden. Das Haus, welches im Jahr 2015 den 70, Todestag der Künstlerin und zugleich das 20 jährige Bestehen des Hauses in Moritzburg beging, zieht all jene Besucher an, die der großen Künstlerin auch heute nah sein wollen und ihr eindringliches Werk an einem Ort betrachten mögen, an welchem sie Zuflucht fand in den letzten Kriegsjahren.

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Käthe Kollwitz-Selbstbildnis lachend (1888-1899) Tusche /Feder ©eigenes Foto (Abb. von Plakat)

Die Sicherheit des Striches…

…ist die eine Seite Ihrer Kunst, die andere wohl ihre Eindringlichkeit, mit der sie arbeitende und vor allem arme Menschen in ihrem schweren Alltag zeigt. Um dies zu veranschaulichen genügt bei weitem nicht nur die Treffsicherheit und das handwerkliche Geschick, welches ohne Inhaltstiefe ohnehin immer leer bleibt. Auch fehlt bei der Künstlerin Käthe Kollwitz so ganz das Eigenverliebte, das Selbstreflektierende, das „Permanent-sich-mit-sich-selbst-beschäftigen“. Und so sind ihre eigenen Sorgen, wie der Tod des Sohnes im 1. Weltkrieg, zugleich auch immer die Sorgen der anderen Menschen . Es entstand das Mahnmal „Trauerndes Elternpaar“  als Ausdruck des gesamtheitlichen Schmerzes und Leides der Menschen im Krieg.

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Sitzender männlicher Akt (1891) Strichätzung / Kaltnadel

In Moritzburg…

…fand Käthe Kollwitz am Lebensende eine Stelle, die sicher an vielen Tagen  zu ruhig war, die tiefen Depressionen verstärkte. Der Blick auf den See, vor allem im Kriegswinter, mag nicht immer beruhigend gewirkt haben. Gezeichnet hat sie nicht mehr in dieser allerletzten Zeit. Das nahende Kriegsende, welches sie so erhoffte, vielleicht auch spürte trotz allem Kummer, hat sie um wenige Tage verpasst…

Mit dem Käthe Kollwitz Haus ist eine sehr liebevoll gestaltete und vor allem bildende Erinnerungsstätte für eine der größten deutschen Künstlerinnen geschaffen worden. Auf dem Außengelände findet zur Zeit zudem das aktuelle internationale Bildhauersymposium statt.

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Käthe Kollwitz Haus im Februar 2016

 

 

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Willi Sitte in Merseburg | Ausstellung mit Werken und Maleratelier

In Merseburg feiert die Willi Sitte Stiftung

das zehnjährige Bestehen und beschert dem Rezipienten eine glanzvolle Jubiläumsausstellung. Am vergangenem Sonntag kamen über 100 Gäste. Mit 75 Werken des Malers Willi Sitte, von denen ein großer Teil erstmals präsentiert wurde, ist die Ausstellung gut bestückt. Auf Begeisterung stieß vor allem auch der originalgetreue Nachbau des Malerateleiers und die Bibliothek.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Januar 2017 geöffnet.

Sitte gilt als einer der wichtigsten Vertreter der DDR-Kunst und des sozialistischen Realismus.

wiki: willi sitte Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 183-R0421-0032 / Kohls, Ulrich / CC-BY-SA 3.0
wiki: Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 183-R0421-0032 / Kohls, Ulrich / CC-BY-SA 3.0
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Ernst Ludwig Kirchner | Straßenbild vor dem Friseurladen

Kirchner-Straßenbild-vor-dem-Friseurladen

Ein Kirchner für das Albertinum

Ein bekanntes Brückegemälde befindet sich seit Januar 2016 wieder im Besitz Dresdens. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden kauften das Kirchner Werk „Straßenbild vor dem Friseurladen“ für eine nicht benannte Summe. Für die Kunstsammlungen Dresden ist der Erwerb ein phänomenaler Zugewinn.

Von den Nazis als…

…entartet bezeichnet, aussortiert und letztendlich veräußert, kehrt das Werk nun nach fast 80 Jahren an seinen Ursprungsort zurück. Laut Information der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden konnte das 1926 entstandene Bild mit Hilfe vom Bund und von Förderern im Rahmen einer Privatauktion angekauft werden.

Die Entfremdung …

…zieht sich als Leitmotiv durch das Bild. Eine Frau betrachtet das Schaufenster eines Friseursalons. Neben ihr bewegen sich sechs teilnahmslos wirkende Figuren. Grün und Orangetöne dominieren in der Komposition und unterstreichen den Warm-Kalt Effekt. Die Frisurenköpfe im Schaufenster mit zum Teil entblößtem Busen setzen einen zarten, erotischen und etwas schutzlos wirkenden Kontrapunkt zu den düsteren Männergestalten vor dem Schaufenster.

Im Jahre 1926 entstand…

…das „Straßenbild vor dem Friseurladen“. Als Dauerleihgabe stellte es die Stadt Dresden als damaliger Käufer der Gemäldegalerie zur Verfügung. Bis 1933 hing das Bild im Semperbau am Zwinger und anschließend, welch Irrsinn, in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Neuen Rathauses. Schlussendlich im Jahr 1937 wurde der Friseurladen von den Nazis als „entartet“ verkauft.

Über den Künstler: Kirchner war Gründungsmitglied der Dresdner Künstlervereinigung „Brücke“. Sein Werk wandelte sich vom Impressionismus zum Expressionismus. Viele seiner Bilder wurden als entartet eingestuft und zerstört. Im Juni 1938 nahm sich Ernst Ludwig Kirchner das Leben.

Kirchner Straßenbild-vor-dem-Friseurladen
Bildquelle: wikimedia – pd