Der dritte Zille | Eine Betrachtung

Heinrich Zille, …

…Zille, Pinselheinrich, einer der ganz großen frühen Karikaturisten, wenn man so will, starb am 9.August 1929 im Alter von 71 Jahren in Berlin. Maler war er, Grafiker, humoristischer Zeichner und Fotograf. Seine bevorzugten künstlerischen Themen fand er in Berlin, nah beim Volke, welches er gleichermaßen lokalpatriotisch wie sozialkritisch wiederspiegelte.

Pinselheinrich…

…nannten ihn die Leute. Schnelle und sehr lebendige Skizzen und Zeichnungen, auf denen er, der große Zeichner, banale Alltagsmomente auf zum Teil sehr groteske Weise einfing. „Drücken musste!“, ist solch eine, sicher vielen Menschen bekannte feine Milieustudie. Der Maler liebte das einfache Volk, er schwelgte im Einfachen, im Proletarischen. Er sah dem Volk auf´s Maul, sozusagen und brachte es gekonnt auf´s Blatt. Nie zynisch, höchstens mit leisem Schmunzeln, welches die Portraitierten umso liebevoller, weil Menschlicher zeigt. Seine Sujets fand er auf  Hinterhöfen von einfachsten Mietskasernen, in den Seitengassen und den Kaschemmen der Berliner Arbeiterviertel. Auch sehr Deftiges, wie seine „Hurengespräche“ (1921) gehören zu den Zilleschen Miljööhstudien.

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„Drücken musste!“ (Heinrich Zille: Mein Milljöh (1913) ) Bildquelle: wiki-pd

Der Heinrich treibt sich rum…

….meinte dann auch 1907 die „photographische Gesellschaft“ . Sie entließ ihn dann auch  kurzerhand aus Selbiger. Erst danach begann Pinselheinrich wirklich als freier Künstler zu arbeiten. Er fand auch erst ab da seinen typischen Duktus. Nach einem langen Weg und komplizierten Findungsprozess, der  ihn über über Mitgliedschaften in verschiedenen Künstlerverbünden (darunter die Berliner Secession) führte, wurde Heinrich Zille, auf Ansinnen Max Liebermanns, im Jahr 1924 schließlich zum Professor ernannt und somit ab da Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Die Zeit der Nazis, mit all Ihren für Künstler unerträglichen Gängeleien, Verfolgungen, bis hin zur Ermordung, den vielen Entlassungen, Ausstellungsverboten und stumpfsinnigen Vorgaben, erlebte er nicht mehr.

Der dritte Zille…

…ist, so seine Weg- und Künstlergefährtin Käthe Kollwitz, nun jener Zeichner, der ihr am liebsten war, Einer, der neben den Milieustudien, den pornographischen Betrachtungen aus dem Freudenmädchenumfeld und den fotografischen Arbeiten, einfach nur Künstler war. Lassen wir Käthe im Zitat zu Wort kommen: „„…es gibt noch einen dritten Zille, und dieser ist mir der liebste. Der ist weder Humorist für Witzblätter noch Satiriker. Er ist restlos Künstler. Ein paar Linien, ein paar Striche, ein wenig Farbe mitunter – und es sind Meisterwerke.

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Käthe Kollwitz (Datum unbekannt), Zeichnung von Heinrich Zille

 

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