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Die Rückenansicht in der Malerei

Die Rückenansicht und deren Bedeutung als künstlerisches Ausdrucksmittel

Als wohl bekanntestes und daher oft zitiertes Beispiel der malerischen Rückenansicht dient dem kunstinteressierten Betrachter in aller Regel das Caspar David Friedrich Gemälde „Der Wanderer über dem Nebelmeer“, welches um 1818 entstand. Das Bild , der deutschen Romantik zugeordnet,misst 95 cm mal 75 cm und befindet sich in der Hamburger Kunsthalle. Eine Besonderheit am Gemälde ist der Umstand dass es unsigniert ist.

Der Zwang zum Blick in den Raum und aus dem Raum heraus

Wählt ein Künstler also zur Betonung seines Sujets die Rückenansicht so zwingt er uns, den Betrachter, dazu gemeinsam mit seiner Figur, welche uns ihren Rücken zuwendet, in das Bild hinein, bzw. je nach Motiv-Wahl hinaus zu schauen. Erst auf den zweiten Blick oder gar den Dritten gelingt es, ein wenig von der Figur selbst, dessen Hinterschopf oder Rücken einzufangen. Immer wieder schweift der Blick in die Ferne. Dies ist auch besonders bei dem Caspar-David Friedrich Bild zu erkennen.

Naturverherrlichung durch die Betonung der Rückenansicht

Gerade in der deutschen Romantik wurde die Wahl der Rückenansicht oftmals mit einer Überbetonung der Natur bzw. des Hintergrundes gleichgesetzt. Dies muss jedoch nicht unbedingt ein beabsichtigtes künstlerisches Ziel des jeweiligen Malers gewesen sein. Es kann dies einfach ein Mittel gewesen sein, die eigenen Gedanken und Gefühle bei der Naturbetrachtung mittels dem dorthin gewendeten Blick zu verdeutlichen, den Betrachter daran teilhaben zu lassen und mit ihm in die Ferne zu sehen und die Umgebung einfach etwas intensiver wahrzunehmen. Mit einer Verherrlichung hat dies meiner Meinung nach nicht zwingend  etwas zu tun.

Betrachtungswinkel

Caspar_David_Friedrich-gartenlaube

Der Blickwinkel ist von jeher entscheidend bei der Bildbetrachtung. Was ist der Kern des Bildes, wohin lenkt der Rezipient zuerst seinen Blick und warum? Hier lenkt und leitet der Künstler mit seiner Figur. Steht sie bild-mittig, wie beim Wanderer über dem Neebelmeer, so ist die Nähe zur Figur, welcher sich der Betrachter quasi von hinten nähert und an der er nicht recht vorbei kann, natürlich größer als bei Figuren, die am Rande platziert wurden und an denen wir vorbei in den Raum sehen, wie zum Beispiel dem Bild „Gartenlaube“ aus dem gleichen Jahr, vom selben Maler Caspar-David Friedrich (siehe Abb- rechts)

Künstlerische Ruhepole

Wir können festhalten, dass Rückenfiguren eine Ruhe ins Bild bringen, die einen leichten Zugang zum Inhalt schaffen. Den Ursprung hat die Rückenfigur in der Antike. Von da an wandelte sich ihre Bedeutung für das Bildverständnis  sich im Laufe der kunsthistorischen Epochen.

Abgrenzung zum Rückenakt

Die Rückenfigur ist zum Rückenakt in ihrer Bedeutung insofern abzugrenzen, als sich der Rückanakt als alleiniges, den Blick auf sich ziehendes künstlerisches Ausdrucksmittel versteht. Bei der Betrachtung eines nackten Rückens, gar noch mit Andeutung zum Hüftdelta, fällt es logischerweise dem Betrachter recht schwer, sich auf die Raumumgebung zu konzentrieren.

Der Wanderer über dem Nebelmeer (Caspar David Friedrich, um 1818) rückenansicht
Der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich um 1818 (Bildquelle – wiki-pd)

Maler der unterschiedlichsten Epochen und Stilrichtungen haben sich des Mittels der Rückenansicht bedient.

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