Im Interview: Ute Bella Donner

Ute-bella-donnerDer Interviewer: Wir sind durch ein ganz bestimmtes Bild auf dich aufmerksam geworden. Es ist in einem Youtube Video zu Hans Eckhardt Wenzels Lied „Sie werden kommen“ hinterlegt. Es zeigt eine sehr interessante Sichtweise auf einen Hinterhof. Wie ist das Bild entstanden? Was war deine Inspiration? Dieser Wenzel Song? Oder kam das erst danach?

Ute Bella Donner: In diesem Fall war der der Song von Wenzel der Auslöser. Es geht darin um die Flüchtlingsproblematik, einem Thema, das mich sehr beschäftigt. Der Grund, warum Menschen nach Europa flüchten, liegt ja in unserer Maßlosigkeit. Genau das bringt Wenzel mit dem Text auch so großartig auf den Tisch. Wir leben auf Kosten Anderer. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, es bildlich darzustellen, wollte etwas malen, was das Elend zeigt, in dem Menschen hausen, nur weil wir ein Leben in Luxus führen müssen. Es ist an der Zeit, dass sich daran etwas ändert! Das Bild zeigt einen Slum in Afrika. Ich finde Deine Assoziation dazu aber auch passend, denn global gesehen ist Afrika der Hinterhof der Welt!

Der Interviewer: Wie kamst du zur bildenden Kunst? Was waren die ersten, die entscheidenden Impulse für dich, Bilder zu malen?

Ute Bella Donner: Schon als Kind habe ich gerne gezeichnet und war künstlerisch vielseitig begabt. Alles, was irgendwie mit Kunst zu tun hatte, faszinierte mich. Ich schrieb Gedichte, sang im Chor, spielte in der Theatergruppe und habe auch leidenschaftlich gezeichnet. Zum Beispiel kann mich erinnern, dass ich als 10Jährige schon Porträts malte und in einem Zeichenwettbewerb im Wohnort den ersten Platz belegte. Jahre später, als ich meine erste große Ausstellung hatte, gab es dann eine richtige Explosion von Bildern. Sie schossen förmlich aus mir heraus und ich staunte selber, wie schnell das passierte. Ich fing an, Bilder zu Liedtexten zu malen, vor allem zu Ostrock, aber auch zu eigenen Texten. Auslöser war eine schwere Erkrankung, die ich überwunden hatte und der Tod der Sängerin Tamara Danz. Seit dem widmete ich mich intensiv der Malerei.

Der Interviewer: Gab es Lehrer, die dich auf deinem künstlerischen Weg ein Stück begleitet haben oder beruhen alle Dinge, die du zeigst auf einer intensiven Betrachtung und dem Selbststudium?

Ute Bella Donner: Meine große Schwester, die später Kunsterzieherin geworden ist, hatte mir irgendwann mal gesagt, dass ich Talent hätte, aber ich sollte nie in so ein Fachbuch reinschauen, dann wär bei mir alles vorbei. Daran habe ich mich im Wesentlichen gehalten. Zwei Künstler möchte ich dennoch an dieser Stelle nennen, die mich beeinflusst und gefördert haben: Der Maler und Fotograf Günther Schaefer und der Mauermaler Thierry Noir.

Der Interviewer: Du arbeitest auch oft mit Objekten – mir fällt da spontan die Idee mit den Rettungsschirmen für Menschen statt Banken – das Projekt „Umbrella peace art“ ein. Wie ist da der künstlerische Prozess? Siehst du zuerst einen Gegenstand und dann kommt die Idee? Oder ist es umgedreht?

Ute Bella Donner: Es ist ein Prozess, den ich nicht plane. Die Ideen entstehen spontan. Sie ergeben sich einfach – meistens resultieren sie aus schwierigen Umständen. Werden mir Steine in den Weg gelegt, inspiriert mich das – ich bekomme kreative Einfälle! Wenn ich mich in eine Idee verliebt habe, entwickle ich sie auch mit großer Leidenschaft weiter, dann plane und perfektioniere ich auch. So war das z.B. mit den Rettungsschirmen. Nach einer brutalen Zelträumung der Polizei, die ich auf dem Alexanderplatz miterlebt habe, wurde das Zelt als Protestsymbol verboten. Dadurch habe ich den Regenschirm als Kunstobjekt und Protestsymbol für mich entdeckt. Ähnlich wie ein Zelt, bietet er den Menschen Schutz.  2011 entstand der erste Menschenrettungsschirm mit der Aufschrift „Yes we camp“, mit dem ich über dem Alexanderplatz lief. Ich fing an Schirme und Strandmuscheln zu bemalen und mit Botschaften zu beschriften, die bei Demonstrationen und im Occupycamp zu sehen waren. Es geht darum, dass nicht Banken, sondern Menschen Rettungsschirme benötigen. Inzwischen hat der Menschenrettungsschirm sich sogar weltweit als Protestsymbol durchgesetzt. Anlass für die Aktion „Umbrella Peace Art“, die 2011 am Neptunbrunnen begann, war der öffentliche Hungerstreik iranischer Flüchtlinge in Würzburg. Sie protestierten gegen ihre unmenschlichen Lebensbedingungen in dem deutschen Asyllager. Dazu kam der öffentliche Selbstmord eines 77jährigen Mannes in Griechenland, der sich vor dem griechischen Parlament in den Kopf schoss, weil er nicht mehr genug Geld zum Leben hatte. Selbstmord aus Protest! Wir brauchen jetzt Rettungsschirme für Menschen! Einst als Metapher gedacht, wurden sie für die hungerstreikenden Flüchtlingen am Brandenburger Tor ein wirklicher Schutz.

Der Interviewer: Du lebst seit 1979 in Berlin-Friedrichshain. Warum ist dir gerade dieser Stadtteil Berlins so wichtig? Was macht den besonderen Reiz für dich als Künstlerin aus, in Berlin-Friedrichshain zu leben?

Ute Bella Donner: Das kann man mit ein paar Worten nicht beschreiben, aber ich will es versuchen. Kurzfassung: fröhlich, frech und bunt! Friedrichshain ist ein alter Arbeiterbezirk und es wohnten in der Zeit des Nationalsozialismus hier viele Antifaschisten. Das ist heute noch so. Eine gute Energie geht von diesem Ort aus. Ich kann diese Geschichte hier förmlich riechen! Diese Tradition ist erhalten geblieben. Der Widerstand lebt immer noch in Friedrichshain. Das ist ein Grund, warum ich mich hier zu Hause fühle. Es gibt aber noch viel mehr.

Friedrichshain ist praktisch eine Freiluftgalerie – ein Paradies für kreative Menschen. Du findest an jeder Ecke und an jeder Wand Kunst. Ich liebe dieses Ambiente und die ungewöhnliche Szene, eine Freiheit, die du so nirgendwo findest. Hier wohnt der alteingesessene Rentner friedlich neben dem Aussteiger oder Künstler und es gibt noch echte Hausbesetzer und Punker mit Peercings, Tattoos und Hunden. Ich hoffe, die fortschreitende Gentrifizierung zieht sich noch eine Weile hin. Noch ist es nicht bieder – noch ist es billig und die Mieten moderat. Mich müssen sie jedenfalls aus der Wohnung tragen. Die Autonomen sind mir tausendmal lieber, als irgendwelche künstlich daherkommenden Yuppies. Du kannst hier so rumlaufen, wie Du willst, es ist egal, was du anhast, ob du alt oder jung bist, Hauptsache, du bist als Mensch o.k. „Willkommen in der fabelhaften Welt des Widerstands!“ so heißt auch ein Bild von mir, das sich seit kurzem im Besitz der bekannten Friedrichshainerin Canan Bayram befindet.

Der Interviewer: Kurze Zwischenfrage: Dieser Namenszusatz „Bella“ vor dem Nachnamen „Donner“? Bella steht für „schön“. Aber wenn man es schnell liest so klingt es ein wenig wie Belladonna. Also bedeutet es zugleich „Schöne Frau“ aus dem Italienischen und „Schwarze Tollkirsche“ aus dem Lateinischen? Muss ja kein Widerspruch sein. Oder hat es damit eine andere Bewandtnis?

Ute Bella Donner: Genauso ist es gemeint: Schöne schwarze Tollkirsche!

Der Interviewer: Ich habe gelesen, dass vor dir und deinen künstlerischen Aktionen nichts wirklich sicher ist, weder Türen, Fenster, Möbel, Fahrräder noch Treppen oder Reste der Berliner Mauer. Was ist der besondere künstlerische Reiz für dich diese Dinge als Bild-Träger für deine Kunst zu verwenden, neben dem Anreiz, dass sie damit für viele sichtbarer wird?

Ute Bella Donner: Die ganze Welt ist eine Leinwand. Alles, was ich sehe, ruft: „mal mich an!“. Kunst ist frei und gehört nicht nur auf teure Leinwände und in schicke Galerien, zu denen nicht jeder Zugang findet, sondern auch auf die Straße, damit sie alle sehen.

Der Interviewer: Dich inspirieren auch Liedermacher wie Gerhard Gundermann zu neuen Werken. Wie gehst du bei der Umsetzung vor? Passiert die Kunst direkt während des Hörens oder erst danach? Kann es sein, dass dir spontan erst viel später etwas dazu einfällt?

Ute Bella Donner: Wenn ich die Lieder von Gundi höre, sehe ich meistens auch Bilder dazu. Sie sind schon da. Ich muss sie nur noch raus lassen.

Der Interviewer: Aktionskunst wird bei die GROß geschrieben. Wie kam es dazu? Welches Ereignis veranlasste dich, da so richtig loszulegen? Wie würdest du deine Aktionskunst beschreiben?

Ute Bella Donner: Ja, das stimmt. Ich sehe mich nicht nur als Künstlerin, denn ich bin ja auch Aktivistin und seit langem in der Friedensbewegung. Darum male ich auch Friedensbilder – besonders gerne auf der Straße. Ein Ereignis, das mich zur Aktionskunst brachte, gab es tatsächlich: Die sogenannte Wende. Plötzlich sollte alles nichts mehr wert sein, und ich hatte einen Identitätsverlust. Angefangen habe ich darum mit einer Rettungsaktion von Bibliotheksbüchern, die weggeschmissen werden sollten, nur weil sie aus der DDR stammten. Danach kamen noch viele andere, größere Aktionen bis zur Bemalung der Berliner Mauer.

Der Interviewer: Die jüngste deutsche Geschichte interessiert dich und motiviert dich zu neuen Kunstwerken. Wie weit reicht diese jüngste deutsche Geschichte in Jahren für dich zurück? Kommt Verdun darin vor oder Stalingrad? Wie schwierig findest du es, diese, gerade die deutsche Geschichte in Kunst aufzubereiten?

Ute Bella Donner: Meine Eltern erzählten viel über den 2. Weltkrieg. Obwohl er vorbei war, bin ich irgendwie damit groß geworden und mit der Berliner Mauer. Der Krieg und Nazideutschland waren im Fernsehen und in der Schule allgegenwärtig – es war ja die Zeit des „Kalten Krieges“. Oft hörte ich – da braucht nur einer den roten Knopf zu drücken – dann geht es los. Ich war ein sehr sensibles und nachdenkliches Kind mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Vielleicht war ich hochsensibel, aber diese Bezeichnung gab es damals noch nicht und so wurde nur festgestellt, dass ich anders war. Mein Interesse galt schon als Kind der jüngsten deutschen Geschichte. Ich erinnere mich an ein Gedicht „Kinderschuhe aus Lublin“ von Johannes R. Becher, das ich mir selber aus dem Bücherschrank kramte. Es hatte mich tief erschüttert, wozu Menschen fähig sind und ganz viel in mir ausgelöst. Ich wollte verstehen, was doch nicht zu verstehen war und ich wollte etwas tun.
Das ist bis heute so geblieben.

Der Interviewer: Dein politisches Engagement ist groß. Auch fand dein Einsatz für die Aufstellung der Gedenktafel für Silvio Meier große Aufmerksamkeit. Hast du manchmal das Gefühl, dass dieses Engagement die blanke Kunst etwas dominiert oder ist es eher genau anders herum?

Ute Bella Donner: Das ist eine gute Frage. Die Politiker sagen, es geht ihr ja nur um die Kunst und die Künstler sagen, es geht ihr ja nur um Politik. Es stimmt beides und auch wieder nicht. Ich mache politische Kunst oder Politik mit künstlerischen Mitteln – es ist aber ein Unterschied, ob ich eine Gedenktafel für Silvio Meier gestalte oder Bilder zu Liedtexten male. Selbstverständlich dominiert mein politisches Engagement die blanke Kunst, wenn es um die Erinnerung eines Menschen geht, der von Neonazis erstochen wurde. Alles andere wäre ja völlig daneben! Etwas ganz anderes ist es, wenn ich Bilder zu Liedtexten ausstelle. Da dominiert natürlich die Kunst!

Durch Aktionen in der Öffentlichkeit bekomme ich viel mehr Aufmerksamkeit, als für meine Bilder. Inzwischen definieren mich viele nur noch über die Aktionen, aber es gibt auch meine Malerei – auch Selbstporträts und sogar Feen und Elfen! Ich bin Aktionskünstlerin und Rebellin und ich bin Malerin und Romantikerin! Ich habe diese beiden Seiten – und je nachdem was ich mache, hat die Rebellin oder die Romantikerin das Sagen, und natürlich vermischt sich das auch! Durch diese Vielseitigkeit kann man mich vielleicht nicht so leicht in eine Schublade stecken, und ich weiß auch gar nicht, ob ich da überhaupt rein will – oder vielleicht ist ja gerade das typisch für mich.

Der Interviewer: Spontane Zwischenfrage I: Wer ist für dich der bedeutendste bildende Künstler?

Ute Bella Donner: Pablo Picasso

Der Interviewer: Spontane Zwischenfrage II: Was hältst du von Goya?

Ute Bella Donner: Ich bewundere sein großes künstlerisches Handwerk, aber noch mehr liebe ich an ihm, dass er sich vom Hofmaler zu einem Künstler, der sich mit politischen und sozialen Umständen beschäftigt, weiterentwickelt hat. Besonders das Bild „Die Schrecken des Krieges“ finde ich sehr beeindruckend.

Der Interviewer: Spontane Zwischenfrage III: Darf – für dich – Kunst auch nur schön sein?

Ute Bella Donner: Ja, natürlich.

Der Interviewer: 1998 entstand dein Mauerbild „Alles wird besser“. Wie kam es dazu? War die Passage des Songs von Tamara Danz „Alles wird besser aber nichts wird gut“ da mit verantwortlich?

Ute Bella Donner: Die Bemalung bedeutet mir sehr viel, weil ich mit der Mauer groß geworden bin. Es geht dabei wortwörtlich um meine eigene Geschichte.

„Die Freiheit hab ich nicht gefunden
vor oder hinter diesem Stein
vielleicht ist sie davon geflogen
kommt wieder rein – kann sein“

Auf dem Mauerbild befindet sich dieses Gedicht von mir und die Passage des Silly-Songs „Alles wird besser“. Es entstand bei einer Aktion internationaler Mauerkünstler „Wir malen gegen den Abriss“ am Potsdamer Platz und stellt das geteilte Deutschland dar. Gleichzeitig soll es eine Hommage an die Sängerin Tamara Danz sein. Diese letzten authentischen Segmente wurden 2005 in einer Nacht- und Nebelaktion trotz Proteste abgerissen. Alle Teile wurden dabei unnötig durchlöchert und die Bilder beschädigt. Jetzt stehen sie im Foyer des Bundesumweltministeriums in der Stresemannstr.125. Von der Straße aus kann man sie, wie vorher versprochen, nicht mehr erkennen, weil die Fensterscheiben verspiegelt sind. Eine Besichtigung ist nur einmal im Jahr möglich – zum Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Bei dieser Führung wird leider eine falsche Geschichte über die Mauerteile erzählt, und bis zum heutigen Tag gab es – trotz besseren Wissens – keine Richtigstellung in der Broschüre des Hauses. Ich könnte den Kollegen aus Bonn, die diese Führung machen, viel über mein Mauerbild erzählen und über meine Geschichte, aber das Interesse daran ist geheuchelt. Sie wissen alles es besser und erfinden einfach eine falsche Story.

Der Interviewer: Ich las, dass ein Bild von dir mit dem Gundermann-Text „Ich mache meinen Frieden“ dem Dalai Lama übergeben wurde. Wie wurde das übergeben. Warst du selbst dabei? Hat sich der Dalai Lama je dazu geäußert?

Ute Bella Donner: Das ist eine abgefahrene Geschichte. Es war am 19.Mai 2008, als der Dalai Lama nach Berlin zum Brandenburger Tor kam. Ich war schon ganz früh dort, weil ich ihm das Bild überreichen wollte. Er war ja bekannt dafür, dass er auf die Menschen zugeht… Also stellte ich mich in die erste Reihe vor die Bühne, die dann später mit einem Absperrgitter von einem VIP-Bereich abgetrennt wurde. Vor mir also viele Menschen und ich irgendwo hinten. Plötzlich kam während der Veranstaltung eine Frau auf mich zu, die auf das Bild aufmerksam wurde und fragte mich, was es damit auf sich hat. Als ich erzählte, dass ich es dem Dalai Lama überreichen wollte, nahm sie es mir aus der Hand und war weg! Ich rief ihr noch nach, wie heißt du denn – und sie: Francesca. Ich stand da wie amputiert! Kurz danach kam sie gottseidank wieder, um mir zu sagen, dass sich mein Bild jetzt beim Dalai Lama im Hotelzimmer befindet – und dann sah ich sie auf der Bühne. Es war die österreichische Kunstmäzenin Francesca von Habsburg, eine Unterstützerin des Dalai Lama. Vielleicht hängt das Bild jetzt in einem buddhistischen Tempel. Leider habe ich keine Ahnung, was daraus geworden ist, man sagt, dass er alles weiterverschenkt.

Der Interviewer: Texte, Bilder, Symbole und Musik. Dies alles zu verbinden ist für dich und deine Kunst typisch. Wieviel bedeutet dir das künstlerische Handwerk selbst wie die Zeichnung oder die Malerei? Ist es eher nebensächlich neben der Idee etwas zu bewirken? Oder arbeitest du auch intensiv an der Verbesserung deiner Ausdrucksmittel?

Ute Bella Donner: Mir geht es mehr darum, etwas zu bewirken. Ein künstlerisches Handwerk ist dabei sicher dienlich, aber es steht nicht im Vordergrund. Ich experimentiere viel und probiere neue Ideen aus. Am liebsten male ich mit Ölfarben und nutze eine Kratztechnik. Ein eigener Stil, an dem man meine Bilder zu Liedtexten gut wiedererkennen kann. Das funktioniert auf einem Regenschirm natürlich nicht, da muss ich dann auf Farbsprays und Acrylfarben zurückgreifen, probiere aber auch hier Anderes aus. Beides ist wichtig – Talent und Handwerk. Ich bin aber der Meinung, dass es nicht reicht, ein künstlerisches Handwerk gut zu beherrschen, wenn es ohne Leidenschaft und eigene Ideen entstanden ist. Ich habe so meine Probleme mit Auftragsmalerei und Vorschriften. Malen sollte keine Pflicht sein. Kunst sollte frei sein! Malen ist Liebe! So sehr ich ein Handwerk respektiere und bewundere – es reicht mir nicht aus, wenn ihm die Seele fehlt. Ich nehme gerne Ratschläge an, lasse mir aber nicht vorschreiben, was, wie, womit und worauf ich malen darf. Die traditionelle Disziplin der Malerei ist mir zu bieder. Ich bin bekennende Autodidaktin. Ein Bild von mir ist 100 % ich!

Der Interviewer: Was bedeutet für dich der Begriff „Kunst“? Soll Kunst etwas oder ruht sie immer in sich?

Ute Bella Donner: Das kann unterschiedlich sein. Meine Kunst soll etwas bewirken, soll andere berühren. Ich glaube sogar, mit Hilfe der Kunst ist es möglich, die Welt positiv zu verändern. Kunst kann Herzen öffnen und Menschen mit offenen Herzen sind schon mal ein guter Anfang! Aber ich male z.B. auch Bilder, um eine komplizierte Beziehung zu verarbeiten. Dann hilft die Kunst ganz speziell meinem Herzen.

Der Interviewer: Was bedeutet für dich der Begriff „Künstler“? Was ist das Schöne für dich am „Künstler sein“?

Ute Bella Donner: Da möchte ich gerne Joseph Beuys zitieren: „Jeder ist ein Künstler.“ Zumindest aber sollte Jeder ein Lebenskünstler sein. Das Schöne am „Künstler sein“: Mein Leben ist bunter, denn Menschen mit Fantasie langweilen sich nie! Ich kann mich mit Hilfe der Kunst immer wieder aus einem Tief rausholen. Ein gelungenes Bild oder eine erfolgreiche Aktion macht mich ziemlich glücklich.

Der Interviewer: Wo hast du bisher deine Werke zeigen können? Wo kann man deine Bilder betrachten?

Ute Bella Donner: Die erste Ausstellung war 1996 im East-Side-Hotel. Seit dem habe ich meine Bilder schon in vielen Städten Deutschlands gezeigt. Um einige zu nennen: Kulturfabrik Hoyerswerda, Schuhfabrik Aahlen, Kulturpalast Dresden, Anker Leipzig, Oderspeicher Frankfurt, Kunsthandwerkerhof Freiberg, Kulturgießerei Schöneiche, Ku-Stall Strausberg, Kreiskulturhaus Freudenstadt, Altenhof am Werbellinsee, Besucherbergwerk F60 Lichterfelde und natürlich immer wieder Berlin, z.B. in der Wabe im vorigen Jahr bei einem Gedenkkonzert zum 15. Todestag von Gerhard Gundermann, wo meine Bilder als Bühnenhintergrund an die Wand projektiert wurden. Besonders gerne denke ich auch an die gemeinsame Veranstaltung „Mein Bagger steht in der Heide“ im Juli 2012 mit Andreas Dresen und Axel Prahl im Landhaus Luckas in Müncheberg, wo ich meine Bilder ausstellte und Prahl und Dresen Lieder von Gundermann sangen. Während eines Friedenskonvois 2003 gegen den Krieg im Irak sind auch viele Bilder während einer Straßenperformance in verschiedenen Städten Europas entstanden.

Meine nächste Vernissage findet am 16. März 2014 in Berlin im Café Sibylle, Karl-Marx-Alle 72, mit einem Konzert von „Unbekannt Verzogen“ statt.

Der Interviewer: Welche Projekte hast du aktuell geplant – auf welches Ereignis darf man besonders gespannt sein?

Ute Bella Donner: Ich wurde eingeladen in diesem Sommer mit Umbrella Peace Art nach Zürich zum Friedensfestival zu kommen, um dort ein großes Peace-Symbol zu installieren und mit Kindern und Jugendlichen Menschenrettungsschirme zu bemalen. Meine Aktionen sind gegen Gewalt und Rassismus, und sollen immer deeskalierend sein – eben Peace-Art! Ich plane ja nicht, aber wünsche mir, mit der Berliner Polizei Schirme zu bemalen – möglichst noch in diesem Jahr. Ich möchte Brücken bauen. Ob mir das gelingt, darauf darf man wirklich gespannt sein!

Der Interviewer: Liebe Ute. Ganz vielen Dank für das interessante Interview und die Einblicke in deine Kunst.

„Slum“ (Sie werden kommen) – von Ute Bella Donner

Anm.: Portraitfoto von Andrea Linss – mit freundlicher Genehmigung

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Im Interview

Als „Der Inter-Viewer“ auf Figunetik.com stelle ich Künstler in Form eines ausführlichen Interviews vor. Dabei möchte ich Themen nicht nur grob anreißen, sondern den Künstler mit seinen Intentionen zu Wort kommen lassen.

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