Goya und Bosch | Gesichter, Zähne und Münder

Hieronymus Bosch „Die Kreuztragung Christi!

Am Beispiel der Gemälde zweier Künstler, zweier Maler aus ganz verschiedenen Epochen, möchte ich eine Ähnlichkeit in der Gestaltung der Gesichter aufzeigen, welche mir spontan auffiel. Das Bild „Die Kreuztragung Christi“ von Hieronymus Bosch, entstanden in den Jahren 1515 bis 1516 ist ein Bild, bei welchem den Betrachter bis heute ein Schauder erfüllt, auch wenn der Genießer moderner Künste so manches an optischen Eindrücken gewöhnt sein mag. In einer Menschengruppe, welche   mit ihrer fanatischen Mimik bis heute seinesgleichen in der Darstellung menschlicher Figuren und Gesichter der damaligen Kunst der Niederlande und der damaligen Malerei überhaupt  sucht, erscheint uns ein Jesus Christus als eine sein Schicksal fügsam annehmende verzeihende Gestalt.

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Die Augen sind geschlossen, wohingegen die Augen und auch die Münder der keifenden Menschenmenge um ihn herum, nahezu hysterisch  aufgerissen sind, so wie Mäuler eines gierigen Schlundes. Bei näherer Betrachtung bemerkt man ein stilles Gesicht im linken Bildvordergrund. Es ist nicht wie die anderen. Diese Figur hält den Mund geschlossen und ist die einzige Figur im Bild, welche den Betrachter direkt ansieht. Diese Figur ist wie eine stille Mahnung. Was will Bosch uns mit dieser Figur für eine Botschaft übermitteln? Knapp über diesem eher friedfertigen Gesicht ist das nach links gewandte Antlitz einer Frau zu sehen. Steht dieses Gesicht für die Hoffung auf das Gute im Menschen? Es ist das einzige Frauengesicht auf dem Bild. Steht es für Güte und Milde? Bosch gibt bekanntermaßen dem Betrachter seiner Werke viele Rätsel auf, so auch mit  diesem Bild.

  Francisco de Goya „Tio Paquete“

Und nun begegnet uns, sei es nur durch Zufall oder sei es, weil der große spanische Meister  durch Bosch inspiriert wurde, es begegnet uns ein Gesicht, welches so ganz und komplett in das Werk Boschs sich einfügen könnte. Dabei ist es ganz sicher völlig anders in der Bildidee angelegt und trotzdem erscheint uns das Gelächter mit dem offenen Mund von Tio Paquete (Onkel Paquete), entstanden um 1820, sehr irreal und monströs, recht überschwenglich und auch etwas absonderlich. Goya hatte eine Vorliebe für  derartige verzerrte  Wahrnehmungen und für visuelle Höhungen, gerade so wie Hieronymus Bosch, der immerhin fast 300 Jahre vor ihm lebte und wirkte. Darf man annehmen, dass Goya das Werk des mysteriösen Niederländers kannte? Betrachtet man seine und Boschs Werke, so möchte man fast diese Frage bejahen!

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„Tio Paquete“ um 1820 -Bildquelle: wiki:pd

 

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