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El Greco | Die Öffnung des fünften Siegels

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Nahezu 400 Jahre sind vergangen bis der griechische Maler El Greco (richtiger Name: Domínikos Theotokópoulos)  um das 1900 herum eine fulminate Wiedergeburt erlebte.  Nun wurden endlich Kunstliebhaber und Kunstkenner auf seine Werke aufmerksam, ein durchaus nicht alltäglicher Prozess in der Welt der schönen Künste. Vor allen wurde El Greco (der Grieche) von Künstlern der Moderne, besonders des Expressionismus, als ein wesentlicher Bezugspunkt angesehen und fand Resonanz in ihren Werken. Aber es seien nun zum angehängten Bild „Die Öffnung des fünften Siegels“ (Fragment eines späten Altarprojekts) einige Anmerkungen und Beobachtungen niedergeschrieben. Was hier auffällt ist die hohe Modernität,welche aus dem Malstil spricht. Sehr expressiv sind die gewählten Farben  hinsichtlich ihrer Helligkeit gesteigert. Der in der Ikonenmalerei bestens ausgebildete Maler überzeichnet den Johannes im Ausdruck, sein Ziel, ihn zu „entmaterialisieren“ gelingt ihm auf auf eindrucksvolle Weise. Es ist ein Bild,welches ins Auge springt, vor allem, weil es auf den ersten flüchtigen Blick , keineswegs auf ein Entstehungsdatum  1608 bis 16014 schließen lässt.  Das Bild beinhaltet auch eine Darstellung von Schnelligkeit, von rasantem Schwung, der alles mit Leben erfüllt.

Im auffälligen Gegensatz zu anderen Bildern, welche eine Vision zum Thema haben, pflanzt El Greco seinen Heiligen mithinein  in das Bild und  zeigt damit den Moment der Erscheinung selbst.  Eine Frage bleibt für mich rätselhaft stehen:  Trägt der Heilige eine Brille oder soll mit der Ausarbeitung der Augenumrandung nur symbolisch die „gesehene oder mit Augen erlebte“ Vision betont werden? Was noch auffällt ist die gekonnte Verbindung mit Hilfe des am Boden liegenden „fleischfarbene“ Tuches zwischen dem Heiligen Johannes und seinen Erscheinungen, deren Hautfarbe so variiert, dass die beiden mittig stehenden Frauen vom Licht erhellt werden. Auf diese Weise gelingt es dem Maler eine Einheit zwischen dem Visionär und den Visionen darzustellen, etwas Greifbares.

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