Im Interview: Axel Feuerberg

Axel FeuerbergDer Interviewer: Du beschäftigst dich vor allem mit Acrylmalerei und mit Zeichnung. Viele deiner Bilder sind recht farbenfroh – die Inhalte sind oft recht düster. Auch wirken die Bilder oft 1:1 – das heißt mit einem sehr offensichtlichen Inhalt. Es sind auch Porträts dabei. Wie kamst du zur bildenden Kunst? Welches Ereignis oder Schlüsselerlebnis hat dich diesbezüglich besonders geprägt.

Axel Feuerberg: Zeichnungen sind eigentlich eher nur Mittel zum Zweck. Überwiegend Acryl und Aquarell würde ich sagen. Das Farbenfrohe ist vielleicht ein bisschen die Pippi Langstrumpf, die ich mir erhalten habe, die sich die Welt malen möchte, wie sie ihr gefällt. Vielleicht auch die Faulheit beim Farben mischen. Ich arbeite jedenfalls an etwas dezenteren Tönen. Düstere Inhalte würde ich nur für einen Teil meiner Bilder gelten lassen wollen. Nämlich für die, die sich mit im weitesten Sinne politischen Inhalten beschäftigen.

Der Interviewer: Seit wann malst und zeichnest Du? Welche Vorbilder und welche Lehrer hattest du? Wer ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Axel Feuerberg Ich versuche mal hier den Rest der ersten Frage mitzubeantworten. Ich habe, glaube ich, eine Mischung aus künstlerischer und technischer Affinität mit in die Wiege bekommen. Zumindest habe ich angeblich schon in der Grundschule ganz gut gezeichnet und gemalt. Aus dieser Mischung erklärt sich wohl auch, dass ich mich früher kaum an Portraits oder figürliches Zeichnen gewagt habe und überwiegend Architektur und Landschaften gemalt habe. Es erklärt vermutlich auch, dass ich bis heute daran arbeite, mich von der exakten Wiedergabe zu lösen und den mir richtig erscheinenden Mittelweg zwischen realistischer Wiedergabe und Ausdruck zu finden. Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, mich nach langer Zeit, in der ich fast ausschließlich als Computergrafiker gearbeitet habe, wieder intensiver auf nichtdigitale Materialien einzulassen, habe ich deshalb einen Spachtel genommen und Bilder fabriziert, die man augenscheinlich unter abstraktem Expressionismus einordnen müsste. Von dort habe ich mich langsam wieder realistischeren Arbeiten angenähert, die mir selbst manchmal schon wieder viel zu sehr dem Detail verhaftet sind. Mein Vorbild in meinen „Jugend“, muss ich wohl leider schon sagen, war Salvadore Dali, also jemand, der den Ausdruck in die surrealistische Komposition seiner Bilder gelegt hat, in den Details aber auch sehr der Realität verbunden war. Ich habe damals versucht ihm nachzueifern, indem ich z.B. auch mit geschlossenen Augen gekrakelt habe und mich dann möglichst entspannt hingesetzt und versucht habe, Dinge darin zu entdecken und dadurch etwas aus meinem Unterbewusstsein ans Licht zu zerren.

Der Interviewer: Wenn man deine Arbeiten ansieht und auch deine Intentionen liest, fällt auf, dass du oft eine politische Anschauung in deine Bildwerke packst. Davon ausgehend, dass dies volle Absicht ist, tut sich die Frage auf: Wieviel Prozent davon ist nun Kunst und wie viel Prozent ist Aussage?

Axel Feuerberg: Es ist vielleicht vermessen, diesen Begriff dafür zu verwenden, aber ich sehe mich als „ganzheitlichen“ Künstler. Das heißt, ich strebe nicht nach einem bestimmten Stil, Genre, Technik oder Ähnlichem. Auch wenn das möglicherweise erfolgversprechender wäre. Ich gebe allem Gestalt, was mich beschäftigt. In den unterschiedlichsten Formen, jeweils der, die mir vom Aufwand oder von der evtl. auch beabsichtigten Wirkung, dem Thema angemessen erscheint. Einige sagen aus mir unbegreiflichen Gründen, dass meine Arbeiten trotzdem einen „Wiedererkennungswert“ hätten. Die Frage nach dem Prozentsatz der Kunst kann ich nur genau beantworten, wenn Du mir sagst, was Kunst ist. Im Ernst: Ich drücke aus, was mich beschäftigt. Das können Gefühle, Stimmungen, der Versuch etwas zu „begreifen“ sein, aber auch Wut über soziale oder politische Zusammenhänge oder Ereignisse, die ich mir von der Seele malen muss. Klar ist das neben Denkanstößen mitunter auch Manipulation des Betrachters. Aber wenn ich das bewusst tue, im Stil von Klaus Staeck oder Heartfield, dann tue ich es aus meiner Überzeugung heraus und nicht im Dienst irgendeiner Partei oder Ideologie. Wenn ich in der Geschichte der Kunst zurückschaue, noch mehr fast beim Theater als in der Malerei, war sie fast immer auch politisch. Und ich halte das für eine berechtigte und auch notwendige Rolle der Kunst in der Gesellschaft. Wenn ich auch nie annähernd so weit gehen würde wie Beuys, der jede beliebige politische Ausdrucksform zu Kunst erklärt hat. Aber ich glaube schon, dass Künstler ein wichtiges Regulativ darstellen, ähnlich den Medien, die frei von partei- oder realpolitischen Zwängen ihren mitunter auch in politischen Zusammenhängen betrachtet recht kreativen Senf dazugeben können und sollten.

Der Interviewer: Du bist Westberliner. In welcher Form hat dich die gerade in Berlin hautnah erlebte Wende  auch in deiner Kunst beeinflusst?

Axel Feuerberg: Die Wende und die Zeit danach haben nicht nur meinen Horizont sehr erweitert, sondern auch meinen Lebensweg massiv beeinflusst. Ich bin im April 90 aus privaten Gründen von Westberlin nach Ostberlin gezogen und wurde dort schnell in einem großen Kreis von „Kulturschaffenden“ aufgenommen. Fast zeitgleich habe ich angefangen als Computergrafiker zu arbeiten. Zu einem großen Teil für Firmen und Sender, die aus dem DDR-Fernsehen hervorgingen. Inwieweit all diese Erfahrungen allerdings messbar in meine Bilder eingeflossen sein könnten, fällt mir schwer zu sagen.

Der Interviewer: Deine Bilder streifen alle möglichen künstlerischen Richtungen. Comicartiges ist dabei, auch Porträts, dann wieder Landschaften. Auch Abstraktes ist dabei. Du bist offenbar noch auf der Suche nach deinem Ausdrucksmittel. Wohin könnte diese Suche führen? Wovon bist du beeindruckt, was wäre ein nächstes Ziel in dieser Hinsicht?

Axel Feuerberg: Dies habe ich ja bei der letzten Frage schon zum Teil mitbeantwortet. Ich bin eigentlich nicht auf der Suche. Es nach über dreißig Jahren mal wieder mit Öl zu versuchen, reizt mich ein wenig. Ansonsten bleibt es bei viel Aquarell, ähnlich viel Acryl, Bleistift fast nur zum Vorzeichnen, Tintenstifte und Zeichentusche als Ergänzung zu den Aquarellfarben und last but not least auch dem Computer. Eine Ausstellung von Jonas Burgert hat mich gerade sehr beeindruckt, wird aber sicher ohne Einfluss auf meine Arbeit bleiben. Über meine Erfahrungen in diversen Kunstforen weit hinaus bleiben für mich die Bilder von Renato Cavallo, oder wie immer er auch real heißen mag, standhaft gegen alle Neuentdeckungen eine feste Größe, an die für mich wenig heranreicht. Ich glaube, auch er hat mich etwas beeinflusst. Ebenfalls zu nennen wären da Eberhard Bitter und Sren Brauer. Einiges was ich in letzter Zeit über und von Gerhard Haderer gesehen habe auch. Ein bisschen was von seinem hinterhältigen, anarchistischen Humor verspüre ich auch in mir. Vielleicht kommt davon irgendwann noch mehr raus.

Der Interviewer: Simple Frage zwischendurch: Kamen die Farben zuerst bei dir oder fing es mit der Zeichnung an?

Axel Feuerberg:  Da müsste ich in meinen Kindheitserinnerungen kramen, … schwer zu sagen. Im Arbeitsprozess allerdings meist die Zeichnung. Im Wesentlichen denke ich eigentlich zuerst an Formen. Ganz selten inspiriert mich mal eine Farbstimmung oder –Komposition so, dass ich sie für ein anders Motiv oder ein abstraktes Bild übernehme.

Der Interviewer: Was hältst du von Künstlergruppen und Kooperationen?

Axel Feuerberg: Nach frühen Erfahrungen in einer freien Theatergruppe und als ausgeprägter Individualist tue ich mich schwer mit Gruppen, obwohl mir ihre Vorteile klar sind. Lose Zusammenarbeit gibt es, über mehr denke ich gerade nach. Aber, über ungelegte Eier soll man ja bekanntlich nicht reden.

Der Interviewer: Was bedeutet für dich der Begriff Kunst?

Axel Feuerberg: Kunst ist für mich die Fähigkeit, dem inneren Verarbeitungsprozess von Gefühlen und Sinneseindrücken Ausdruck und Gestaltung zu verleihen.

Der Interviewer: Wie reagieren Betrachter auf deine Kunst? Was war für dich ein besonders denkwürdiges oder auch fröhliches Erlebnis?

Axel Feuerberg: Besser als erwartet! Ein denkwürdiges und auch fröhliches Ereignis war für mich, dass bei meiner ersten Ausstellung meine stark kirchlich engagierte Patentante, hoch in den 80ern, positiv auf ein Bild von mir reagiert hat, welches einen Bischof mit einer Mitra in Form einer Eichel zeigt.

Der Interviewer:Was macht einen Künstler für dich aus?

Axel Feuerberg: Jou, meine Lieblingsfrage! Zufällig habe ich mich gestern mal wieder an einer Definition versucht: Künstler sind zur Schizophrenie tendierende Menschen, deren ausgeprägter Schaffensdrang sie dazu bringt, den Kurzschlüssen ihrer nicht rational verschalteten Synapsen Gestalt zu verleihen. Solange man nicht ihre Arbeiten kritisiert sind sie harmlos. Meist stimmen sie einem freudig zu, wenn man an ihrer geistigen Gesundheit zweifelt. Im Käfig eines Zoos fühlen sie sich besonders wohl. Sie bekommen täglich etwas zu essen und werden von vielen Besuchern bei der Arbeit beobachtet und bewundert. Sie dürfen den einen oder anderen Besucher sogar ungestraft anpinkeln.

Der Interviewer: Wo kann man zur  Zeit deine Arbeiten sehen und was sind deine nächsten Pläne bezüglich geplanter Ausstellungen?

Axel Feuerberg: Zur Zeit sind zwei Bilder von mir in der Ausstellung „Kunst in Steglitz und Zehlendorf“ bis Ende des Monats zu sehen. Eine Reihe abstrakter Arbeiten hängt ebenfalls bis Ende des Monats im JoCaffe in Berlin-Schmargendorf und im November bin ich beim Teltower Kunstsonntag mit dabei. Gegen Ende des Jahres werde ich außerdem voraussichtlich einige Arbeiten in der Villa Ritz in Potsdam ausstellen. Für das nächste Jahr gibt es noch keine konkreten Daten.

Der Interviewer: Danke Axel Feuerberg für das aufschlussreiche und interessante Interview.

skyline

 

Im Interview

Als „Der Inter-Viewer“ auf Figunetik.com stelle ich Künstler in Form eines ausführlichen Interviews vor. Dabei möchte ich Themen nicht nur grob anreißen, sondern den Künstler mit seinen Intentionen zu Wort kommen lassen.

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