Im Interview: Maria Bitter

Der Inter-Viewer: Deine Mutter und dein Vater sind selbst künstlerisch tätig. War dir deshalb der Wunsch, Künstlerin zu werden, bereits in die Wiege gelegt?

Maria Bitter: Es war so wie bei den Zircuskindern. Egal wo wir gewohnt haben, ob in der sibirischen Kleinstadt Sarinsk, wo mein Vater herkommt, oder in Sankt-Petersburg, dem Heimatort meiner Mutter, immer hat sich unsere Wohnung in ein Atelier verwandelt. Die Farben, Leinwände und die Berge von Papierarbeiten, die überall lagen. Es roch nach Ölfarben, auch die Umgebung überhaupt, alle die anderen Künstler die zu uns kamen, die Gespräche, manchmal die lauten Streitigkeiten um die Bilder, das habe ich alles mitbekommen. Meine Eltern haben von Anfang an einen großen Wert darauf gelegt, womit man malt, welches Material man verwendet, so hatte ich schon zum Schmieren hochwertiges Papier, Aquarell und gute Pinsel genommen. Meine Kinderzeichnungen haben sie genau so ernst genommen wie ihre eigenen Arbeiten. Das erste Ölbild auf Leinwand habe ich mit 5 Jahren gemalt und nannte es „ Die Nonnen gehen in die Banja(Dampfbad)“

Der Inter-Viewer: Studiert hast du an der UDK in Berlin. War Malerei dein Hauptfach? Was hast du aus deinem Studium für deinen weiteren Weg entnommen?

Maria Bitter: In der Uni habe ich mich auch in der Druckgrafik und Plastik (Ton) versucht zu finden, bin dann aber sehr schnell wieder zur Malerei zurückgekehrt, denn da hat mir nichts zum Ausdruck gefehlt. Beim Malen eines Bildes kann ich gleichzeitig zeichnen, formen, übermalen, das Bild auch mal ein Jahr ruhen lassen und dann wieder daran arbeiten. Besonders wertvoll war für mich, dass ich am Ende des Studiums gelernt habe, richtig mit der negativen Kritik umzugehen. Man muss lernen, diese zu verarbeiten, zu sortieren und für sich zu nutzen.

Der Inter-Viewer: Du stammst aus Petersburg. Hat dich deine Herkunft in deiner künstlerischen Entwicklung geprägt? Wie viel der „russischen Seele“ fließt mit in deine Sachen ein?

Maria Bitter: Petersburg nennt man auch die Kulturhauptstadt Russlands. Die Atmosphäre  der Stadt wirkt inspirierend und zieht immer wieder Künstler an. Die Architektur, der Wind, die Geschichte, Ausstellungen und Museen, Theater und Literaturabende. Ich denke, Petersburg hat in mir den Wunsch zum Schaffen gestärkt.

Der Inter-Viewer: Bist du noch oft in deiner Heimat? Wie entwickelt sich die Kunstlandschaft in Petersburg?

Maria Bitter: Ich war sehr selten da, nur drei Mal seit 1996. Aber ich beobachte mit Interesse was in Petersburg passiert. Ich fahre im September wieder hin.

Der Inter-Viewer: In deinen Bildern sind sehr oft Tiere zu finden, in zum Teil seltsamen Konstellationen. Auch das Bild „Großvater“ fällt auf. Wie findest du zu neuen Bildideen und welches sind die Haupt-Triebfedern für deine künstlerische Arbeit?

Maria Bitter: Wir Menschen geben oft unseren Charakteren oder Handlungen tierische Namen und vergleichen uns mit den Tieren wie selbstverständlich. Ob aggressiv oder nett. Die Bildideen entstehen blitzschnell und wenn ich in dem Moment nicht mit dem Malen beginnen  kann, werden sie skizziert und warten in der Schlange, aber nicht lange. In meinen Bildern erzähle ich eine Geschichte, bei der die Menschen in scheinbar alltäglichen Situationen unterschiedlich handeln und somit den umgebenden Raum bestimmen. Manchmal höre ich ein Wort das bei mir dann sofort als ein Bild im Kopf landet, wie zum Beispiel „Landei“, ich kannte die Bedeutung nicht und es klang für mich mysteriös und gigantisch. Zum Bild „Großvater kann ich sagen: Großvater wird alt, Großvater stirbt, er ist genauso tot wie die Großen Fürsten auf Portraits des XVII Jahrhunderts. Nach so einer Gedankenkette malte ich einen Affenschädel mit einer Halskrause.

Der Inter-Viewer: Was war bei dir zuerst? Die Malerei oder die Zeichnung?

Maria Bitter: zuerst war der Eimer mit Ton im Arbeitzimmer meines Vaters. Ich habe mir eine ganze Hand voll Ton heraus genommen und Hunde geformt. Dann habe ich mit Farben angefangen, die haben meine Augen verführt. Bis jetzt arbeite ich sehr sparsam mit dem Stift. Vielleicht kommt’s noch.

Der Inter-Viewer: Denkst du, deinen Stil bereits gefunden zu haben oder arbeitest du weiter an künstlerischen Ausdrucksmitteln? Wie experimentierfreudig bist du in Bezug auf deine Techniken?

Maria Bitter: Ich denke, ich habe das Mittel und die Art mit denen ich mich ausdrücken kann gefunden, was aber keine Experimentierungen ausschließen darf. Zurzeit habe ich eine Aquarell-Periode. Ich mag die Regeln dieses Hasardspiels, du malst schnell, experimentell, wild und vorsichtig gleichzeitig und ob du gewonnen hast, erfährt man erst, wenn die Arbeit trocken ist.

Der Inter-Viewer: Was hältst du von Künstlergruppen und Kooperationen?

Maria Bitter: Es ist sehr wichtig mit den anderen Künstlern im Kontakt zu bleiben, Information auszutauschen, über die Arbeiten zu sprechen. Besonders die gemeinsamen Ausstellungen finde ich spannend. Aber in einer Künstlergruppe zu arbeiten hat bisher nicht geklappt, da ich mir schwer vorstellen kann mich über einen längeren Zeitraum an bestimmte Rahmen oder Regeln zu halten, denn jeder will der Dirigent sein.

Der Inter-Viewer: Was bedeutet für dich der Begriff Kunst?

Maria Bitter: Wenn ich stehen bleibe, weiter lese, zuhöre oder zuschaue. Ob ein Theaterstück, ein Buch, ein Bild, welches mich mit nimmt und mich motiviert. Dies treibt mich selber zum Schaffen an.

Der Inter-Viewer: Wie reagieren die Rezipienten auf deine Kunst? Gab es schon mal ein besonders denkwürdiges oder auch amüsantes Erlebnis?

Maria Bitter: Ich sehe oft ein Lächeln im Gesicht. Etwas Denkwürdiges kam noch nicht vor, was ich aber schade finde, denn das kann auch inspirieren und beeinflussen J

Der Inter-Viewer: Wo kann man deine Arbeiten sehen und was sind deine nächsten Pläne bezüglich geplanter Ausstellungen?

Maria Bitter: in meinem Atelier in der Rosenthalerstraße 71 in Berlin oder im Internet auf Facebook. Übrigens die sozialen Netzwerke finde ich sehr gut für Künstler. Man stößt andauernd auf neue interessante Arbeiten, Tipps für Vernissagen und Ausstellungen und kann gleichzeitig Kontakte knüpfen. Ich arbeite in meinem Atelier, nehme an Wettbewerben teil und suche nach Ausstellungsmöglichkeiten.

Der Inter-Viewer:  Maria, ich danke dir sehr für dieses interessante Interview.

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III. Auflage zum Leitfaden für Künstler

Im Interview

Als „Der Inter-Viewer“ auf Figunetik.com stelle ich Künstler in Form eines ausführlichen Interviews vor. Dabei möchte ich Themen nicht nur grob anreißen, sondern den Künstler mit seinen Intentionen zu Wort kommen lassen.

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