Im Interview: Iris Hilpert

Der Inter-Viewer: Seit wann malst und zeichnest du und was sind deine bevorzugten Motive?

Iris Hilpert: Angefangen hat es mit Zeichnungen und das schon ziemlich früh, im Vorschulalter. Mein Vater ist begeisterter Zeichner und hat sich da auch die Zeit genommen, mir viel zu zeigen, sprich beizubringen. Er hat mir auch viel über Anatomie beigebracht und das “bildnerische Sehen” gelehrt. Wir waren sehr viel in Tierparks, im Zoo, überhaupt in der Natur. Da war ihm keine Mühe zuviel. Dort habe ich dann immer auch viel gezeichnet und da hat sich dann wohl bereits die figurative Vorliebe herauskristallisiert, denn ich implantiere gern Tiere oder eben tierhafte Wesen in meine Bildwelten. Die Bewegung und Lebendigkeit ist mir dabei wichtig.

Der Inter-Viewer: Also bist du eher eine Zeichnerin?

Iris Hilpert: Zumindest war das Zeichnen mein künstlerischer Anfang. Mit Farben habe ich mich seinerzeit noch etwas schwer getan. Die gewannen viel später erst an Bedeutung für mich. Zuerst beschäftigte ich mit hauptsächlich mit Formen und Linien, dem Zeichenstrich eben.

Der Inter-Viewer: War das dein Hauptinhalt?

Iris Hilpert: Ja, das kann man so sagen. Oft habe ich stundenlang gezeichnet, mit dem Ergebnis war ich sehr oft nicht zufrieden, das Perfektionistische haftet mir noch an. Ich löse mich aber langsam davon.  Aber ich hatte und habe natürlich auch noch andere Interessen. Sport, Literatur, Film, Doku und Neuere deutsche Geschichte oder Philosophie allgemein haben mich seit jeher interessiert.

Der Inter-Viewer: Wie ging es weiter?

Iris Hilpert: Mit 10 Jahren schickten mich meine Eltern zum Zeichenunterricht, in dem Falle zum Privatunterricht bei dem Meißner Maler und Grafiker Heinz Löffler. Der war auch Zeichenlehrer in der Manufaktur. Ich weiß noch, wie genau und auch streng er beurteilte. Er war nicht oft des Lobes voll, zu niemandem. Aber die 2-jährige Ausbildung hat mir bei der weiteren zeichnerischen Entwicklung sehr geholfen.

Der Inter-Viewer: Und danach?

Iris Hilpert: Auf Empfehlung bin ich mit 14 Jahren in die Staatliche Zeichenschule der Porzellanmanufaktur gelangt. Dort ging es vor allem um die Weiterentwicklung des Naturstudiums bei den zeichnerischen Fähigkeiten: Licht- und Schattenstudien, Körper, Formen, Gegenstände abbilden. Sicher sehr hilfreich, aber ich habe dann auch dort festgestellt, dass eine anschließende Ausbildung zur Porzellangestalterin oder Porzellanmalerin aufgrund der absehbaren Reduktion auf das allein Kunsthandwerkliche nichts für mich wäre, weshalb ich weiterhin den Wunsch hegte, mich per Studium an der HfBK Leipzig – im Fach Illustration weiterzubilden.

Der Inter-Viewer: Und hat das letztlich funktioniert?

Iris Hilpert: Nein, hat es nicht. Der Ärger begann als ich während meiner EOS-Zeit im Zivilverteidigungsunterricht mit einer angehenden Offiziersanwärterin meinungs-verschiedentlich kollidierte. Ich weiß noch, dass deren Vater Major der NVA war. Es gab einen Eklat in der Schule, Aussprachen usw. Ab dem Zeitpunkt hatte ich kein Fürsprech mehr, keine Lobby, sicher habe ich mich da selbst auch völlig undiplomatisch verhalten. Mir wurde dann ein Ausweichstudium angeboten: Arbeitsplatzgestaltung. Aber das hatte ja nun nichts mit dem eigentlichen Ziel zu tun.

Der Inter-Viewer: Was hast du danach gemacht ?

Iris Hilpert: Nach der Wende vor allem Gelegenheitsjobs und in der freien Zeit habe ich eben sehr viel gezeichnet und auch geschrieben. Kleine Stücke fürs Laientheater und allgemein viel Kreatives getan. Bei der Zeitung habe ich auch gearbeitet im Bereich Kunst- und Theaterkritik. So richtig an die Öffentlichkeit bin ich mit meinen Sachen erst Anfang 2000 gegangen. Da habe ich angefangen auszustellen. Dann folgten mehrere Ausstellungen, manchmal 2 oder 3 im Jahr. Das ist allerdings ziemlich viel, einfach zuviel an Aktivität. Da bleibt das Schaffen auf der Strecke.

Der Inter-Viewer: Was treibt dich an?

Iris Hilpert: Vor allem die fast kindliche Freude am Experimentieren mit den Möglichkeiten oder der Entwicklung von Bildsprachen. Die Sicht auf Dinge, auf gesehene, erlebte oder gedachte Dinge verändert darzustellen, auch umzukehren usw. – das interessiert mich immens. So entstand auch Figunetik.

Der Inter-Viewer: Fühlst du dich mit deiner Kunst verstanden?

Iris Hilpert: Es gibt Galerien, die mich und meine Kunst verstehen und diese auch präsentieren. Und es gibt einige Sammler, die alles, was ich mache, mit regem Interesse verfolgen und vor allem meine experimentelle Kunst kaufen . Das freut mich natürlich, denn so habe ich die Möglichkeit, auch auf längere Sicht in einen direkten Diskurs mit dem Rezipienten zu gelangen. Diese Reibung muss sein. Ohne sie kann ein Künstler sowenig sein, wie ein Musiker ohne Applaus, ein Schauspieler ohne Publikum usw. . Resonanz ist nötig, auch um eine künstlerische Weiterentwicklung zu bekommen. Es gibt aber auch viele Betrachter und auch Kollegen, die meine Kunst nicht nachvollziehen können. Das ist ganz normal.

Der Inter-Viewer: Denkst du, dass du mit deiner Kunst etwas bewirken kannst?

Iris Hilpert: Ein Werk der Bildenden Kunst steht ja immer erst einmal autonom, also allein dem Betrachter gegenüber, es sei denn, es geht in den Performance-Bereich. Aber bei vielen Kunstwerken ist es eben so. Was im Betrachter ausgelöst wird oder ob es sich mit der eigenen künstlerischen Intention deckt, weiß man vorher nicht und es ist etwa so, als wirft man einen Ball in die Luft. Man weiß nicht, ob er von einem Auto überrollt wird, ob ein Anderer ihn aufhebt oder ob er gar nicht gefunden wird. Wohin er rollt weiß man also nicht vorher. Und das ist auch immer das Überraschende an Kunst, das was letztlich zählt.

Der Inter-Viewer: Denkst du, dass jeder Mensch ein Künstler ist?

Iris Hilpert: Da das Wort Kunst ja schlecht definierbar ist, das Wort Künstler ebenso beliebig wie vielsagend, kann es also sein, dass jeder ein Künstler ist oder eben keiner ein Künstler ist. Ich denke, es kommt auf das eigene Sich-Bewusstmachen-des-Künstlerseins oder Künstlertums  an und auch auf die Intensität mit der man sich mit Kunst-schaffen betätigt , ob man letztlich Künstler ist oder nicht. Der Betrachter, die vielen Jurys, Gremien, Galeristen, Messemacher, Kunstkritiker oder Kunsthistoriker sind in meinen Augen nicht die alleinige Instanz dafür, ob jemand Künstler oder ob etwas Kunst ist.

Der Inter-Viewer: Wo kann man deine Arbeiten sehen?

Iris Hilpert: Im Atelier kann man immer  Sachen sehen, auch frühere Arbeiten. Oder im Internet unter www.iris-hilpert.com Im September werden auch wieder in Berlin neuere Arbeiten von mir gezeigt. Der Ausstellungstitel dort lautet: “Köpfe, Körper und Kanonen”. Da sind natürlich alle herzlich willkommen, sich das vor Ort anzusehen. Hier ist schon mal ein kleiner Vorgeschmack.

Der Inter-Viewer: Danke für das wunderbare Interview und die Einblicke in deinen Werdegang.

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Im Interview

Als „Der Inter-Viewer“ auf Figunetik.com stelle ich Künstler in Form eines ausführlichen Interviews vor. Dabei möchte ich Themen nicht nur grob anreißen, sondern den Künstler mit seinen Intentionen zu Wort kommen lassen.

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