Artemisia Gentilescho & Michelangelo da Caravaggio | Judith und Holofernes

Judith köpft Holofernes (1614-1620) von Artemisa Gentileschi (Quelle: Wikipedia public domain)

Judith köpft Holofernes (1614-1620) von Artemisa Gentileschi (Quelle: Wikipedia public domain)

Das Motiv zeigt einen Mann, der von zwei Frauen enthauptet wird. Es ist ein grausames, ein blutrünstiges Motiv mit dem Hintergrund einer fiktiven überlieferten Geschichte der Belagerung der Stadt Betulia durch Holofernes und seine Soldaten. Im Barock nahmen sich verschiedene Künstler dieses Themas  an, darunter auch die italienische Malerin Artemisia Gentileschi, welche von ihrem Vater in der Kunst der Malerei unterrichtet und gefördert wurde. Judith tötet gemeinsam mit ihrer Magd den mordlustigen Feldherren Holofernes mit List und weiblicher Verführungskunst.  Im Gegensatz zur Darstellung derselben Handlung von Michelangelo da Caravaggio im 22 Jahre früher entstandenen Werk “Judith enthauptet Holofernes” steht auffallend bei Gentileschi die “aktive” Teilnahme der Magd am Enthauptungsvorgang selbst. Auch fehlt bei dem Werk  von Gentileschi jeglicher zweifelnder Ausdruck in den Gesichtern der beiden Frauen, während bei den Figuren Caravaggios auch etwas Wehmut, Nachdenklichkeit, bei der Magd gar auch Entsetzen mit hineinspielen. Auffallend auch die komplette Opferhaltung des Holofernes in Artemisias Gemälde (1,99 x 1,62 groß) Es fehlt auch die noch so geringste Gegenwehr des Enthaupteten. Kraftlos reckt er den rechten Arm nach oben. Die beiden Frauen zeigen eine eher maskuline Tatkraft und solidarische Entschlossenheit.

Judith enthauptet Holofernes (1598) von Michelangelo Merisis da Caravaggio (Quelle: Wikipedia: public domain)

Judith enthauptet Holofernes (1598) von Michelangelo Merisis da Caravaggio (Quelle: Wikipedia: public domain)

Bei Caravaggio hingegen fehlt diese komplette unterwürfige Rückenhaltung. Sein Holofernes hat angespannte Muskeln und will offensichtlich keineswegs ohne Gegenwehr einfach so geköpft werden. Gentileschis  Darstellung vermittelt gerade auch hinsichtlich der offen gezeigten sichtlichen Anstrengung der beiden Frauen noch mehr realistische Darstellungskraft. Ist es in der Tat so, dass die Sichtweise auf diesen Vorgang sich bei Mann und Frau, wenn auch nur im Unbewußtsein, anders manifestiert hat, so dass zwei – auf den ersten Blick sehr ähnliche – bei näherer Betrachtung jedoch sehr unterschiedliche Bilder desselben Geschehens entstanden sind? Genehmigte sich vielleicht der Maler Caravaggio in letzter Konsequenz doch noch  einen Rest männlichen Stolzes, der sich in der sich aufbäumenden Figur seines Holofernes zeigt und offenbaren sich in der Darstellung der Malerin Gentileschi eventuell auch Wünsche und Sehnsüchte nach einer größeren Freiheit für das ansonsten “schwache” Geschlecht?

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