Ohorn | Vollkorn-Butterkekstest Pulsnitz Berlin

Schnurren, Zoten, satirische Beilagen und mehr von Dieter Raedel, Kunstmaler im Berliner Prenzlauer Berg und vor einiger Zeit in Ohorn an das Ufer dieser Welt gespült .

Ein Bekannter aus der Ziegenbalgstraße der Pfefferkucheninselstadt Pulsnitz, hatte vor drei Wochen einen Laden in dieser Ecke ausfindig gemacht, der nach Jahren der Ruhe plötzlich aus dem Winterschlaf erwachte und verschiedene Fressalien zum Sonderfutterpreis anbot. Warum dieser während der langen Zeit geschlossen war, habe ich vermutlich rausbekommen, denn der Inhaber ist ein Bekannter meines Bekannten. Er schenkte mir aus heiterem Himmel Kekse.

Der spendable Meister kommt aus Stuttgart und war dort Ingenieur. Als er vor Jahren sich in Pulsnitz ein Nest baute, merkte er plötzlich, dass er am Ende seiner Leistungsfähigkeit angekommen war. Das war genau zu dem Zeitpunkt, als er ein Game entdeckte, wo man immer neue Städte und Fabriken bauen kann und er noch in zehn Jahren damit ausgelastet sein dürfte. Bei so viel Anstrengung und geistiger Maximalauslastung musste er den Lebensrhythmus neu regulieren. Seit dieser Zeit ist er unheilbar krank und hat bedauerlicherweise ein Nervenleiden, das die Ärzte in allen Dresdner Kliniken vor große Rätsel stellt.

Die Uni-Klinik Carl Gustav Carus und das Städtische Krankenhaus Dresden-Neustadt arbeiten auf Hochtouren, da man unter den Ärzten der Meinung ist, es könnte sich um ein Virus handeln, das schon längst die Pulsnitzer Stadtgrenze bezwang. Es soll sich besonders bei Kindern und Jugendlichen aus Ohorn und Pulsnitz ansiedeln, die der Krankheit zum Opfer fallen und nicht mehr die Schule besuchen können.

Mein Bekannter ist bereits im fortgeschrittenen Stadium dieser seltsamen Krankheit. Wie er mir mitteilte, kauft er nur einmal in der Woche ein und nutzt diesen Weg als Fitness – Schub. Die Wochenration holt er sich, wenn’s bereits draußen dunkel ist, um nicht von arbeitenden Menschen abgelenkt zu werden. Manche treiben sich tagsüber auf den Straßen noch rum. Nachts sitzt er also am Computer und hat sich so seine eigene Welt geschaffen. Den Ärzten erzählt er immer neue Nervenleiden, die ihm zwingen, sich nur ganz langsam zu bewegen. Wenn er sich bückt, bekommt er Ohrensausen und es klingelt mehrere Stunden in beiden Löffeln. Zeitweise krampfen seine Finger aus unvorstellbaren Gründen und er ist noch nicht einmal fähig, die Scheine seiner Stütze gefahrlos zählen zu können. Auch wird er von Sehnenscheidenentzündungen oft befallen, obwohl er gar nicht arbeitet. Er ist ein wandelndes Rätsel für die Wissenschaft, die nun für ihn arbeitet.

Leider hatte ich die seltene Gelegenheit, ihn während einer Ohorner Stipvisite in der Hufestraße getroffen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt absolvierte er einen abendlichen Erkundungsgang durch den unteren Teil der Fuchsbelle. Er überreichte mir eine Großpackung dieser Vollkorn-Butterkekse, da ihm bekannt war, ein Freund von Butterkeksen zu sein. Ich sagte ihm, dass ich ganz andere Sorten aus Berlin genieße und die mir nicht nur bekommen, sondern auch schmecken. Der Stuttgarter Ingenieur überredete mich, seine großzügige Gabe auszuprobieren. Ich sollte es als Test betrachten. Falls die mir schmecken, seien noch ein paar Tonnen im Geschäft seines Bekannten vorrätig, die ich bei Bedarf zum Kleinpreis bestellen könnte. Bevor er sich von mir verabschiedete, teilte er mir freundlicherweise mit, dass der Ladenbesitzer am Computer soeben im Dschungel von Utopia T 12 Kupfer gefunden habe und er als Fachmann ihm nun mitteilen möchte, wie und wo man den grandiosen Fund am profitträchtigsten anlegen könnte. Ich bedankte mich für seine Gabe.

Gestern gingen meine Butterkekse im Prenzlauer Berg aus und ich kramte die Geschenkpackung von Vollkorn-Butterkeksen aus dem Schrank. Eigentlich schmeckten sie unauffällig nach Pappe. Nun wollte ich rauskriegen, ob es sich um Pappkartons aus Deutschland handelt, die man gewöhnlich bei Umzügen benutzt oder ob es Kunstblumenkartons aus Holland sein könnten. Als ich den letzten Keks der 400-Gramm-Packung verschrotet hatte, war ich zu der Ansicht gelangt, dass es sich bei dem Geschmack um Dachpappe handeln könnte. Eine Stunde später lernte ich in meinen Räumen das Laufen und kam nicht mehr von der Toilette weg. Der Vollkorn-Butterkeks-Test der Lebkuchen-Metropole war erfolgreich.

Gruß Prenzlmaler.

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III. Auflage zum Leitfaden für Künstler

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