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Klinikum Berlin – Buch : Die imaginäre Blume

Große Schmerzen im linken Bauchbereich zwangen mich im Februar 2008, die Rettungsstelle des Klinikums Berlin – Buch aufzusuchen, wo ich nach einigen Tagen operiert wurde. Zunächst waren alle Betten belegt und ich wurde als zusätzlicher Patient in ein Vierbettzimmer einer Station verfrachtet, in die ich nicht reingehörte. Kurz vor der Operation änderte sich das und ich durfte in einem Zweibettzimmer der für mich zuständigen Station Platz nehmen.

Mein Nachbar, der schon einige Zeit das Bett im Klinikum hütete, war ein etwas an Jahren älterer Künstler aus Neuenhagen. Während der ersten Zeit schienen wir nicht die selben Schuhe zu tragen. Das sollte sich bald ändern. Ausgesprochen interessante Gespräche über Bildhauerei und Malerei ließen einen gewissen Gleichklang der Seelen zu. Mein Nachbar erzählte aus seinem Leben und ich hörte aufmerksam zu. Als ich mal eine längere Geschichte erzählte, schlief er ein.

Er wusste, dass ich als Maler und Zeichner Autodidakt bin. Dennoch entging ihm nicht, mich in Sachen Maler und Malerei recht gut auszukennen. Im dritten Stock besuchten wir gemeinsam eine Ausstellung der „Galerie am Gendarmenmarkt“ und stellten fest, sehr ähnliche Urteile für die Exponate parat zu haben, ohne irgendwie nach dem Munde des anderen zu reden.

Am Abreisetag kam mir in den Sinn, über die Pantomime und Marcel Marceau zu sprechen und zeigte einige typischen Elemente der Pantomime. Ich erzählte ihm, dass ich als künstlerischer Leiter des ehemaligen Kinder – Pantomime – Ensembles Cottbus sofort Zugang zu diesen weltberühmten Künstler hatte. Doch ein einziges Mal sagte Marceau zu mir, ich solle eine Blume pflücken. Genau diese kurze pantomimische Sache spielte ich meinem Mitpatienten aus heiterem Himmel vor. Mein Nachbar war derart erfreut und voll des Lobes, so dass ich einige Tränen der Freude bei ihm bemerkte. Als ich mich von ihm verabschiedete, sagte er zu mir:

„Noch nie hat mir jemand eine derartig schöne Blume geschenkt !“

LG Prenzlmaler D.Raedel.