Die Verkündigung – kein Leonardo !

Dieter Raedel. Popularisierung von Kunstwissen. Science of Art. Leonardo da Vinci. Kunstkritik. Bildbeschreibung.

Trotz großer Proteste ging die „Verkündigung“ Leonardos auf Reisen und spazierte nach Tokio. Seit 1945 war das panoramaartige Tafelbild nicht mehr aus den Uffizien in Florenz genommen worden. Mit einer in Deutschland gefertigten Glasscheibe ging es geschützt nach Japan, wo es unbeschädigt entpackt wurde. Die Versicherungssumme betrug 100 Mio Euro.

Betrachtet man das Werk, so stellt man sofort fest, dass keine Einheitlichkeit in der künstlerischen Ausführung herrscht und man vergeblich die Kunst Leonardos sucht. Kennt man die Geschichte des Bildes nicht, könnte man eine Verwandtschaft mit Sandro Botticelli vermuten. Ursprünglich wurde das Tafelwerk Ghirlandaio zugeschrieben, bis man Hand-und Gewandstudien Leonardos für das Bild entdeckte. Die kompositorischen Ideen und die Ausführung sind augenscheinlich ein Gemeinschaftswerk der in der Werkstatt von Verrocchio arbeitenden Künstlergesellen. Als das Werk entstand, war Leonardo da Vinci ungefähr 20 Jahre. Die Hände und das Gesicht des Engels sowie das Gewand der Maria entstammen der Hand Leonardos. Untersuchungen ergaben, dass das Gesicht der Maria mehrfach verändert wurde und keinesfalls von Leonardo stammt.

Auf dem Bild sehen wir die Erscheinung des Erzengels Gabriel, die rechte Hand verkündend erhoben, während sich in der linken Hand als Symbol der Reinheit eine Lilie befindet. Auffällig ist die Jugend des Engels. Maria, offensichtlich überrascht und zugleich irritiert, empfängt mit ebenso erhobener Hand die göttliche Nachricht. Die Komposition folgt einer althergebrachten Anordnung : Maria zur Rechten und der Engel zur Linken. Zwischen den Figuren das Studienpult und der mit äußerster Prägnanz detailiert gemalte Sarkophag der Medici. Während der Engel grazil wirkt, stellt sich Maria mit geöffneten Schenkeln monumental dar. Die rechte Hand der Maria sieht unrealistisch aus und folgt nicht den Gesetzen der Anatomie. Die Flügel Gabriels sind sehr oberflächlich gestaltet. Betrachtet man den linken Flügel, so kann man eine Urheberschaft mit dem Faltenwurf des Erzengels vermuten. Die Szene spielt sich in einer Villa auf bergigem Gelände ab. Im Hintergrund erkennt man ein Tal mit einem Flusslauf, der wiederum sehr detailgetreu gearbeitet wurde, hingegen die eigenartigen dunklen Bäume die Akribie der Genauigkeit vermissen lassen. Das Antlitz der Maria erscheind kühl, während der Engel sanft wirkt. Die Architektur wirkt auf mich hart und unorganisch und lässt Abwechslung vermissen. Auch kann ich keine einheitliche Schattengebung ausmachen. Rein farblich gesehen, ist jedoch angestrebte Harmonie erkennbar.

 

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III. Auflage zum Leitfaden für Künstler

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