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Pleystein Kreuzbergkirche Rosenquarz

Michael Steinmetz träumte sich in den neuen Tag. Langsam kam er zu sich und begann seine Gedanken zu sortieren. Noch im Bett liegend, angelte er vom Nachttisch eine Filterzigarette, brannte sie an und bekam ein Lungengewitter, wobei beim dritten Hustenstoß der Jahreskalender mit den guten Vorsetzen von der Wand flog.
„Möchte mal wissen, weshalb der dort hing !“
„Micha, hör‘ endlich zu quarzen auf, das bringt dich noch um !“
„Genau, Eva, um den Quarz ging’s in meinem Traum. Wir kommen demnächst groß raus, ich habe einen Plan.“
„Solange ich dich kenne, schmiedest du ohne Unterlass Pläne.“
„Diesmal ist der Fuchs auf der richtigen Fährte.“
„Man sagt dem Fuchs Schlauheit nach, die in deinem Kopf Mangelware is. Drück‘ endlich den Sargnagel aus und quäl dich raus.“
„Gut‘ Ding will Weile haben.“
„Langeweile haste genug. Da steht ein ganzer Berg jeden Tag vor der Tür.“
„Berg – da haben wir’s. Quarzberg ! Und Tür – das Tor zum Glück.“
„Was faselst du denn nun schon wieder rum ? Kusch dich aus der Falle !“
„Eva, du warst doch mal gut im Teppichklopfen. Erinnerst du dich ?“
„Wenn ich nicht deinen Hintern zur Verfügung hatte, ja.“
„Du wirst demnächst im Keller Steine kloppen !“
„Aber sonst geht’s dir noch gut.“
„Wir wohnen zwar Richtung Augustiner, aber die paar Schritte zum Osthang schaff‘ ich allemal.“
„Was für’n Osthang ?“
„Na, bei uns. Die Ostseite vom Kreuzberg. Da war doch früher ein Steinbruch, den werde ich im Kleinen wieder ins Leben rufen.“
„Trink den Morgenkaffee und komm‘ endlich zu dir.“
„Ich bin mehr zu mir gekommen, als du für möglich hälst.“
„Hm, der Kuchen schmeckt. Haste den vom Baumarkt ?“
„Verscheißern kann ich mich alleene. Baumarkt, du hast’se nich mehr !“
„Genau. Baumarkt. Von da werd‘ ich’s mir schnell besorgen.“
„Naja, wenn du mich nicht mehr brauchst, besorgst‘ du dir’s alleene.“
„Mein liebes Evchen. Setz‘ dich mal zu mir und höre dir in aller Ruhe meine Geschichte an. Wir sind alle vom Elektrosmog umgeben und werden täglich von allen möglichen Wellen durchdrungen, die uns willenlos und krank machen. Mal konmmen senkrechte, mal waagerechte und mal alles durcheinander. Jede Stromleitung, jedes elektrische Gerät befeuert uns Tag und Nacht mit Strahlen. Die Konservenbüchse, der gekochte Kaffee, das Ei und auch die Milch sind total verseucht. Da hast du das Strahlenzeug in gebündelter Form drin. Und da muss sich was ändern.“
„Ja, Micha, da is was dran.“
„Ich habe mal vor Jahren eine Sendung gesehn und kann mich noch haargenau daran erinnern, was der damals sagte. Zwar weiß ich nicht genau worum’s ging, doch spielte der Quarz die entscheidende Rolle, um die Gammastrahlen abzublocken.“
„Hört sich an, als ob du nachts in einem Atomreaktor rumgekurvt bist.“
„Das nicht, aber krebserregend sind die Strahlen auf alle Fälle. Die Überschlauen in den Universitäten wissen das, aber keiner sagt’s.“
„Vielleicht könn’ses nicht beweisen.“
„Unsere Zellen, Eva, arbeiten mit 0,01 Watt und alles was darüber ist, macht uns systematisch kaputt. Und die Zirbeldrüse kriegt das meiste ab, die ja auch für die Potenz verantwortlich ist. Kommste noch mit ?“

„Ja, da muss deine Zwirbeldüse schon ’ne ganze Ladung abgekriegt haben, ansonsten würdeste nicht nach jedem zweiten Anlauf die Bettdecke über’n Kopp ziehn. In der Tat, dich scheint’s erwischt zu haben.“
„Diese dämlichen Sendemasten ! Diese Handys ! Alles zerstörerische Werkzeuge des Menschen. Wenn du deine Nachttischlampe anknippst, ist das für meine Zellen bereits ein Erdbeben ! Ein magnetischer Natsumi ! Durch diese Hochfrequenzwellen kann der Körper nicht mehr richtig funktionieren, weil das Gehirn krankhafte Schwingungs – informationen bekommt. Unser Kopp ist Träger dieser Dinge und wird total irritiert, weil das Gehirn in gleicher Art und Weise mit seinen Strömen arbeitet.“
„Micha, ich bin richtig stolz auf dich. Aber nun weiß ich endlich, warum dein Hirn meistens irritiert war.“

„Und dazu kommen noch die unterirdischen Wasserläufe, die die Sache bei weitem noch verstärken, weil Wasser ein guter Leiter ist.“
„Meinst du unsere Abflussrohre ?“
„Aber nein, die ganz tiefen Wasseradern in der Erde. Und aus dem Erdinnern kommt auch noch eine Portion nach oben. Und genau wo wir rumstrolchen, triffst sich alles zum Chaos. Hundert pro !“
„Und wie willste das eindämmen ?“
„Ganz einfach ! Wir brauchen Quarz. Quarz neutralisiert die Strahlen und fängt die auf !“
„Und das hast du alles dir von der Sendung im Fernsehen gemerkt ?“
„Jawohl, Eva ! Das Gehirn gibt falsche Signale und es kommt zu Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Depressionen, Herz-und Kreislaufproblemen und, und und. Alles geht daneben.“
„Deshalb ist die Gesellschaft also so defekt ?!“
„Na klar, der Körper kann sich nicht mehr regenerieren, weshalb die alle dem Geld hinterher sind. Du kannst dich mit niemandem mehr unterhalten.“
„Ein Glück, dass ich dich an meiner Seite habe. Du bist ein echter Schlaukopf. Nun frage ich mich , weshalb du dich die letzten 20 Jahre verstellt hast ?“
„Die Sendung ist doch noch gar nicht so lange her, Eva, jetzt packen wir es an. Weißt du eigentlich, dass Metall das ganze Strahlenpaket noch unterstützt ? Wer Metall am Körper trägt, ist doppelt gefährdet. Die mit ihrem Modeschmuck, diesem Pearcing und Amalgamplomben sind übel dran.“
„Na, da werde ich gleich mal meine Spange abmachen.“
„Tu das, Eva ! Denk‘ doch bloß mal an die Zahnspangengeneration !“
„Das hört sich gar nicht gut an.“
„Wir brauchen Quarz und machen Quarzstaubpflaster ! Und den Quarz haben wir an der Kreuzbergkirche. Sogar Rosenquarz. Man sagt, da steckt Liebe drin. Und ich liebe den jetzt auch.“

„Und ich kann sehn, wo ich bleibe.“

„Jeder kann sich so ein Pflaster auf das Brustbein kleben, an die Winschutzscheibe, ans Handy, an den Computer und an den Stromkasten und schon gefahrloser leben. Wir geben das allen Apotheken und fangen in Waldthurn an, gehn nach Georgenberg rüber und verteilen den Rest als Probelauf bei uns in Pleystein.“
„Aber da brauchen wir noch ’ne richtige Anmache.“
„Wie wär’s mit: Pleysteiner Rosenquarz – der Elekrosmogkiller !“
„Is zu lang. Überlebenspflaster zum… ach, was weiß ich.“
„Wir holen uns morgen von der Ostwand mit dem Bagger einen großen Stein. Der reicht für die halbe Republik. Und das Pflaster holen wir uns aus der Apotheke. Das wird mit Quarzstaub versehen und ab zum Verkauf.“
„Und wenn beim Quarzabbau die Kreuzbergkirche wegrutscht ?“

„Seit wann rutscht ’ne Kirche weg, wenn man sich ein Pflaster aus der Apotheke holt ??“

Ne Geschichte von Dieter Raedel.